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Ärger um SEM in Norden von München ‒ Kritik beim Symposium in Feldmoching und Angst vor Enteignung

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Von: Benedikt Strobach

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900 Hektar umfasst das SEM-Untersuchungsgebiet rund um Feldmochings Ortskern. Auch wenn noch nicht feststeht, ob und wo gebaut wird, fürchten Anwohner mögliche Enteignung.
900 Hektar umfasst das SEM-Untersuchungsgebiet rund um Feldmochings Ortskern. Auch wenn noch nicht feststeht, ob und wo gebaut wird, fürchten Anwohner mögliche Enteignung. © LHM

Seitdem die SEM – Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme – für den Münchner Norden wieder eingeführt wurde, geht in Feldmoching die Angst vor möglicher Enteignung um.

Es sind nur drei Buchstaben, die für gewaltigen Ärger in Feldmoching sorgen. Die SEM – Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme – wurde für den Münchner Norden 2020 wieder eingeführt (Hallo berichtete). Seitdem geht im Viertel die Angst vor möglicher Enteignung um.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Das zeigte auch das nun stattgefundene Symposium „Münchner Norden“, wo das Thema die Veranstaltung dominierte. Stadträte von fünf Parteien, darunter auch Christian Müller (SPD) und Florian Schönemann (Grüne), deren Koalition die SEM wieder eingeführt hatte, stellten sich den Fragen von rund 40 Feldmochingern.

SEM-Ärger in Norden von München ‒ Symposium in Feldmoching und Angst vor Enteignung

Zuvor hatte der Bund Naturschutz (BN) erneut sein Gutachten für das Untersuchungsgebiet vorgestellt. Ergebnis: Maximal fünf Prozent der Fläche könne bebaut werden. „Der Rest hat einen wichtigen Nutzen für das Klima oder die Artenvielfalt“, erklärte Maximilian Mühlbauer vom BN.

Viele Tiere und Insekten würden durch die Ausbreitung des Menschen vertrieben. Das sah auch Franz Stemmer von der BBV Landsiedlung so. Er präsentierte das Agrargutachten, das die Stadt 2019 in Auftrag gegeben hatte.

„Ein Großteil der befragten Landwirte will seine Felder in den kommenden Jahren nicht abgeben. Bei Entwicklungsmaßnahmen fürchten einige bis viele, dass sie ihren Betrieb aufgeben müssen“, sagte Stemmer. Wichtig sei, dass man wieder miteinander kooperiere, etwa durch Workshops zu Konzepten.

Auch Martin Zech von Heimatboden äußerte sich erneut kritisch: „Die Landtagspetition hat eindeutig gezeigt, dass die SEM, wie von der Stadt gewollt, im Nord­osten nicht geht. Was dort gilt, zählt auch für den Norden.“ Er hoffe, dass der Streit um die Bodenpreise nicht erst vor Gericht entschieden werden müsse.

Martin Zech, Sprecher der Initiative Heimatboden München Nord.
Martin Zech, Sprecher der Initiative Heimatboden München Nord. © itslive GmbH

SEM im Münchner Norden - Zunächst nur Prüfung möglicher Bebauung

Müller und Schönemann betonten, dass die SEM zunächst nur zur Prüfung möglicher Bebauungen genutzt werde. „Das bedeutet nicht, dass wir alles bebauen“, sagte Schönemann. Müller ergänzte, dass dadurch benötigter bezahlbarer Wohnraum geschaffen würde.

Die Anwohner sowie die Stadträte Manuel Pretzl (CSU), Richard Progl (Bayernpartei) und Tobias Ruff (ÖDP) sahen das – bestätigt durch die Gutachten – anders. Sie forderten das Kooperative Stadtentwicklungsmodell (KOSMO) zurück.

„Was glauben Sie denn, wo etwa die Tafel regionale Kartoffeln nach der SEM kaufen kann?“, lautete eine Frage aus dem Raum. Müller betonte erneut, dass man durch die SEM nicht die Landwirte vertreiben möchte.

Applaus erhielt er dafür – anders als die SEM-kritischen Stadträte für ihre Beiträge – nicht. Anerkennung erhielten aber alle Politiker für ihr Erscheinen. Dennoch zeigte sich: Die Fronten sind weiter verhärtet.

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