Erschütternde Erlebnisberichte

Diese Schüler setzen ein klares Zeichen gegen Rassismus

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Sechs Freunde mit und ohne Migrationshintergrund diskutieren in einem Podiumsgespräch anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Freimann – Schon mehrfach haben Schüler der Mittelschule an der Situlistraße übelste und erniedrigende Hasstiraden über sich ergehen lassen müssen – alle mit rassistischem Hintergrund

„Ausländerschlampe!“ schreit eine ältere Frau Laura (alle Namen der Jugendlichen geändert) in der Tram an. Noch heute ist die 15-jährige Schülerin geschockt, wenn sie an den Zwischenfall denkt: „Ich habe tatsächlich kein typisch deutsches Äußeres. Dunkle Augen, braune Haare, etwas vollere Lippen“, berichtet das Mädchen, das keinen Migrationshintergrund hat. 

Gemeinsam mit anderen Schülern beteiligt sich Laura an einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, 13. März (18.30 Uhr), in der Mohr-Villa. Gemeinsam wollen sie sich gegen Rassismus stark machen: „Wehret den Anfängen“, ist Projektleiter Christian Streit überzeugt. „Viele nehmen die Bedrohung nicht ernst, aber das hatten wir bereits in Deutschland“, meint der Lehrer.

Auch Deniz (15), ein Türke, hat erfahren, wie es ist, nicht in ein allgemeines deutsches Bild zu passen: „Ich war mit ein paar Freunden unterwegs, die alle aus unterschiedlichen Nationen kommen. Die Polizei hat uns kontrolliert. Ich glaube, nur weil wir anders und deshalb verdächtig aussehen. Das macht mich wütend.“ 

Klassenkamerad Alexandros, der griechisch-bulgarische Wurzeln hat, kann noch Schlimmeres von einer Vorgängerschule berichten: „Meine Lehrerin hat mich und andere ausländischen Freunde oft rassistisch beleidigt. Sie sagte, ich solle zurück in mein Land gehen, ich hätte in Deutschland nichts verloren.“ 

Umgekehrt geht eine bedrohliche Situation für Mitica (15) glimpflich ab: „Im Bus hat neulich eine Frau ausländisch aussehende Mitfahrer beschimpft. Mich nicht, weil alle denken, ich sehe aus wie ein Deutscher“, erinnert sich der Rumäne. Laura stellt klar: „Wir müssen lernen Menschen nicht nach Äußerlichkeiten zu beurteilen.“

Von Beleidigungen, Beschimpfungen und Kontrollen, können die Freunde einiges berichten. Trotz der beängstigenden Situationen bleibt Alexandros stark: „Mitläufer und Anhänger rechts gesinnter Parteien sind in der Minderheit.“ Für Lena (15) ist Rassismus ohnehin unverständlich: „Der passt einfach nicht mehr ins 21. Jahrhundert. Wir müssen Menschen unabhängig ihrer Herkunft respektieren.“

Für die Schüler soll es nicht bei der einmaligen Diskussion bleiben, erklärt Orkan (15): „Wir haben uns überlegt, dass wir Projekte machen könnten“ – und nennt auch gleich ein Beispiel: „Auf Ständen in der Stadt mit anderen Menschen ins Gespräch kommen. Das kann ein Anfang für besseres Verständnis sein.“

Manuela Praxl-Langer

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