Risse in Wänden und Angst um Bausubstanz

Diese Baustelle lässt Anwohner buchstäblich zittern

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Nur eine Straße trennt das Haus von Renate Biel am Carl-Orff-Bogen von einer riesigen Baustelle. „Wenn dort Spundwände eingezogen werden, bebt unser ganzes Haus“, klagt die Rentnerin.

Freimann – Die Baustelle für den Schulneubau sorgt für Erschütterungen in den Nachbargebäuden – Mit schweren Folgen: Anwohner Klagen unter anderem über rissige Wände und defekte Elektro-Großgeräte 

Seit ein paar Tagen zeichnet sich ein Riss an der Wand zwischen Wohnzimmer und Bad in der Wohnung von Renate Biel ab. „Die Vibrationen waren enorm, als sie in den letzten Tagen auf der Baustelle die Spundwände gesetzt haben“, erzählt die Wohnungseigentümerin. Nachbar Erich Sacher bestätigt: „Die Teller sind rumgerumpelt, die Schrauben einer Lampe sind rausgefallen.“ Auch Anwohner Melih Mutver bekräftigt: „Bei mir ist die Elektronik von Herd und Spülmaschine kaputt gegangen.“

Ob in der Tiefgarage, in der Wohnung oder an Außenwänden – die Nachbarschaft an der Großbaustelle entdeckt täglich mehr Schäden in der Wohnanlage. Wer dafür aufkommt, ist unklar.

Überall in der Wohnanlage am Carl-Orff-Bogen zeichnen sich Risse ab, wie tief sie gehen, oder ob tragende Wände geschädigt sind, weiß niemand. Aus Sicht der Nachbarn ist der Verursacher die Großbaustelle der neuen Realschule Heidemannstraße direkt gegenüber. Bauherr ist die Stadt München. Seit vor zehn Monaten auf dem großen Areal die Bagger angerollt sind, liegen bei einigen Anwohner die Nerven blank. „Der Lärm ist unerträglich“, sagt Tine Winklmair. „Den würden wir hinnehmen, wir brauchen ja Schulen, allerdings ist die Grenze eindeutig erreicht, wenn uns niemand sagt, wer jetzt für die Schäden aufkommt“, ergänzt Christine Drechsel erzürnt.

Im Vorfeld habe es keine vernünftige Information gegeben, beklagen die Nachbarn: „Vor allem aber fehlt die Beweissicherung. Normalerweise muss das doch jemand von den Verantwortlichen veranlassen – durch die Wohnungen gehen und den Ist-Zustand festzuhalten“, klagt Renate Biel an. „Wenn dann Schäden entstehen, kann man sie sofort verifizieren.“

Inzwischen liegen die Beschwerden dem Baureferat vor: „Wir befassen uns bereits eingehend damit und prüfen den Sachverhalt. Das ist nicht so einfach, da für den Einzelfall unterschiedliche Richtlinien gelten“, so die Pressestelle.

Drechsel wendete sich zudem an die zuständige Hausverwaltung Bayerische Immobilien Management, um die Vorfälle zu dokumentieren. Bisher ohne Reaktion. Auch gegenüber Hallo hat die Hausverwaltung keine Stellung genommen.

Die Bewohner befürchten indes, in der Bringschuld zu stehen: „Wahrscheinlich müssen wir jetzt beweisen, dass die Schäden durch die Tiefbauarbeiten entstanden sind.“ Neben den sichtbaren Mängeln hat die Gemeinschaft außerdem Angst um die Versorgungsschächte: „Wir verlangen Schachtspiegelungen, denn auf Wasserschäden durch kaputte Leitungen können wir verzichten.“

Manuela Praxl-Langer

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