Alternativlösungen gesucht

Ankerzentrum: Familien ziehen aus Anker-Dependance-Funkaserne aus

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In der Anker-Dependancen Funkkaserne herrschen schwierige Bedingungen für Geflüchtete.

Freimann – Zuletzt war die Anker-Dependance-Funkaserne Thema für zahlreiche Negativschlagzeilen. Vier Familien ziehen jetzt aus – aber sie können nicht in eine reguläre Unterkunft

Heftiger Schimmel in den Bädern, mehrere Familien, die gemeinsam in einem kleinen Raum leben müssen, kein Platz für die Kinder zum Spielen: Die Zustände im Ankerzentrum in der früheren Funkkaserne in Freimann sind erschreckend (Hallo berichtete). Inzwischen konnten vier der geflüchteten Familien ausziehen – doch auch in der neuen Unterkunft bleibt die Situation für sie schwierig. Denn die Familien kamen nicht in eine reguläre Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, sondern wieder in ein Ankerzentrum in Waldkraiburg.

Das kritisiert jetzt Grünen-Stadträtin Jutta Koller. Sie hat einen Dringlichkeitsantrag gestellt, dass die Stadt umgehend in Dialog mit der Regierung treten solle, „um das aktuelle Vorgehen zu beenden“. Stattdessen solle kurzfristig eine unbürokratische Lösung gefunden werden, dass Familien und besonders schutzbedürftige Geflüchtete wie Personen mit Traumata, alleinreisende Frauen oder Angehörige der LGBTIQ-Gruppen in städtische Unterkünfte ziehen können.

Darauf hofft auch Andrea Betz, Abteilungsleiterin Migration der Inneren Mission München. Ankerzentren sieht sie kritisch: „Die Geflüchteten können dort ihre Individualität nur sehr eingeschränkt ausleben und die Kinder können oft nicht schlafen“, sagt Betz.

Andrea Betz, Abteilungsleiterin Migration der Inneren Mission München.

In der Ankerzentrum-Dependance in der Funkkaserne leben derzeit 190 Geflüchtete, darunter 81 Minderjährige. Der Großteil kommt aus Nigeria. Jetzt haben immerhin alle Familien dort ein eigenes Zimmer.

Auch Hedwig Thomalla, Sprecherin des Sozialreferats betont, dass man von seitens des Referats Ankerzentren sehr kritisch gegenüberstehe. „Aber die bundesweite Regelung ist nun mal, dass so genannte noch nicht anerkannte Asylbewerber und ausreisepflichtige Ausländer dort leben müssen und unter die Zuständigkeit der Regierung von Oberbayern fielen. „Die städtischen Einrichtungen sind nur für anerkannte Flüchtlinge gedacht.“ Bisher habe man allerdings „in absoluten Härtefällen“ angeboten, gemeinsam eine Lösung für Asylbewerber zu finden.

Laut der Regierung von Oberbayern sei Zeitdruck der Grund dafür gewesen, dass die vier Familien wieder in ein Ankerzentrum verlegt wurden. Die Unterbringung in Waldkraiburg sei „die schnellste Handlungsalternative“ gewesen, so Verena Gros, Pressesprecherin der Regierung von Oberbayern. „Die Zuweisung in eine Unterkunft der Anschlussunterbringung benötigt in der Regel mehr Vorlauf“, erklärt sie. 

Inzwischen sei in Bearbeitung, dass die Familien in andere Unterkünfte können. Die Anregung, besonders schutzbedürftige Personen kurzfristig im städtische Unterbringungssystem aufzunehmen, würde man gerne aufnehmen.

Claudia Schuri

Die angespannte Situation in der Anker-Dependance Funkkaserne soll jetzt über mehrere Maßnahmen entschärft werden.

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