Schüler drehen eine Dokumentation über den OEZ-Amoklauf

Ein Film für die Opfer

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Colin Maidment, Paul Schweller, Leon Golz und Alexander Spöri (v.l.) an einem der stillen Gedenkorte für die Opfer des OEZ-Amoklaufs.

Ein halbes Jahr ist es nun her, dass der Amok­lauf am OEZ ganz München in einen Schockzustand versetzte. Neun Menschen wurden getötet, bevor sich der Attentäter umbrachte. Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums drehen nun eine Dokumentation aus der Perspektive der Opfer, unterstützt werden sie von Schauspielern des Residenztheaters.

Der 22. Juli 2016 ging als schwarzer Tag in Münchens Geschichte ein. Ein 18-jähriger Schüler lief am OEZ Amok und erschoss neun Menschen, bevor er sich selbst umbrachte. Trauer, Verunsicherung und eine riesige Welle medialer Berichterstattung waren die Folge. Ein halbes Jahr ist das jetzt her. Fünf Schüler aus Unterhaching nutzten die Zeit, um die unglaubliche Tat aus einem sehr persönlichen Blickwinkel zu beleuchten. Colin Maidment (17), Paul Schweller (15), Leon Golz (15), Alexander Spöri (16) und Luca Zug (16) arbeiten an einem besonderen und wichtigen Film rund um die schreckliche Tat.

„Es hat uns sehr genervt, dass nach dem Amoklauf und nach dem Anschlag in Berlin fast nur über die Täter berichtet wurde. Wir wollen die Perspektive der Opfer zeigen“, erklärt Alexander Spöri den Ansatz der Dokumentation. Er ist Produzent und Editor des Projekts. Nur ein Indiz dafür, wie professionell die fünf Freunde vom Lise-Meitner-Gymnasium das Filme Machen angehen.

Unter dem Namen „MovieJam Studios“ arbeiten sie bereits an ihrer dritten Dokumentation. Bislang befassten sie sich mit dem Olympia-Attentat 1972 und dem Schulsystem. Doch so emotional wie diesmal waren die Arbeiten an einem Film noch nie. „Das Interview mit der Schwester eines Opfers hat mich eine Woche lang tief beschäftigt“, erklärt Spöri. „Wir haben uns vor dem OEZ getroffen. Sie hat uns erzählt, was für ein Mensch ihr Bruder war, was er gerne gemacht hat. Das wollen wir zeigen.“ Luca Zug fügt hinzu: „Wir sind im gleichen Alter wie die Opfer und kommen aus der selben Gegend. Oft hatten wir die gleichen Ziele und Träume. Diese Perspektive gab es in der Berichterstattung nicht.“

Der rund 30 Minuten lange Film gliedert sich in zwei Teile. Zum einen Interviews mit Angehörigen der Opfer und Einsatzkräften. Zum anderen nachgespielte Szenen mit Schauspielern des Residenztheaters – aus dem Leben der Opfer, nicht vom Amoklauf selbst. „Unvergessen“ soll die Dokumentation heißen. Doch was macht es mit fünf Jugendlichen, wenn sie sich über Monate mit den Folgen eines Amoklaufes beschäftigen? Nimmt die gefühlte Bedrohung zu oder verliert sie ihren Schrecken? Alexander Spöri überlegt kurz und antwortet: „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer solchen Tat zu werden, ist sehr klein. Aber durchs OEZ laufen wir mit einem anderen Gefühl.“ mh

Wo „Unvergessen“ zu sehen sein wird
Der Mathäser-Filmpalast wird den Film wahrscheinlich im Sommer zeigen. Er läuft auch beim Jugendfilmfestival „flimmern&rauschen“ in der Muffathalle und rund um die Gedenkfeier zum Jahrestag. Interessierte Schulen können sich gerne bei den jungen Filmemachern melden.

Hier ist der Link zum Trailer

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