Er macht das Seniorenwohnen bunt

Philip Egbune startet Veranstaltungsreihe im Kieferngarten zu bundesweit einzigartigem Projekt

Ein einzigartiges Projekt startet demnächst im Kieferngarten. Mehr erfahren Sie hier.

Als Philip Egbune (37) in den 90er-Jahren von Russland nach Deutschland kam, hatte er selbst Schwierigkeiten, sich zu integrieren und erlebte Ausgrenzung und Rassismus. Inzwischen setzt er sich für die Integration pflegebedürftiger Migranten ein. Der Diplomsozialwirt mit nigerianischen und russischen Wurzeln leitet das Projekt „Interkulturelle Öffnung der stationären Langzeitpflege“ im Seniorenwohnen Kieferngarten. Im Rahmen des Projekts startet am Montag eine öffentliche Veranstaltungsreihe. Den Auftakt bilden drei Veranstaltungen zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ (siehe Info). Im Laufe des Jahres sollen viele weitere Aktionen folgen, die kulturelle Vielfalt und Toleranz zum Thema haben.

Dass man im Seniorenbereich Menschen mit Migrationshintergrund stärker entgegenkommen muss, ist ein brisantes Thema, denn die Zahl der pflegebedürftigen Migranten steigt stetig. „Im Moment ist der Anteil an Migranten unter den Senioren noch verschwindend gering, aber das wird in Zukunft ganz anders aussehen“, sagt Egbune. „Wir müssen Angebote für diese Menschen schaffen in Bezug auf das Essen, die seelsorgerische Betreuung und die Sprache. Dafür gibt es Schulungen für unser Pflegepersonal.“ In Zukunft wird es dann zum Beispiel Broschüren für die Pfleger geben mit Bildern und verschiedenen Sprachen, sodass eine Verständigung auch möglich ist, ohne die Sprache zu verstehen. „Auch wenn die Menschen schon sehr gut Deutsch gesprochen haben, kommt es vor, dass sie die Sprache im Demenzfall wieder vergessen. In einem solchen Fall greift das Gehirn wieder auf die Muttersprache zurück“, erklärt Egbune. „Die Bewohner des Seniorenwohnens reagieren sehr positiv auf das Projekt. Sie zeigen sogar Eigeninitiative und bringen selbst Ideen zu Veranstaltungen“, sagt der Bogenhauser.

Das Projekt „Interkulturelle Öffnung der stationären Langzeitpflege“ wurde von der Stadt München initiiert. Die Einrichtung Seniorenwohnen Kieferngarten ist eine von drei, die an dem bundesweit einzigartigen Modellprojekt teilnehmen. Träger für das Seniorenwohnen Kieferngarten ist das Bayerische Rote Kreuz.

Egbune kam für das Projekt vor zwei Jahren von Thüringen nach München. „Ich hatte von den Bayern oft gehört, sie seien engstirnig und konservativ, aber das stimmt nicht. Ich habe in München sehr viel Offenheit und Freundlichkeit erlebt“, sagt er. laf

Das ist geboten
Die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ startet am Montag, 13. März. Der Dokumentarfilm „Alle anderen sind nicht gleich anders“ wird am Donnerstag, 16. März, vorgeführt. Am Tag darauf gibt es einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema „Diskriminierung und Rassismus betrifft Alle!“. Eintritt frei. Seniorenwohnen Kieferngarten, Bauernfeindstraße 15. Genaueres unter der Nummer 3230030.

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