Paten für marode Gräber gesucht

Neues Projekt in Moosach: Alter Friedhof soll nach 100 Jahren wiedereröffnen

Moosach Es ist ein gewagtes Projekt, das manchen sicherlich merkwürdig erscheinen mag: Weil der Alte Moosacher Friedhof immer mehr verwildert und die Grabsteine verfallen, sucht Pfarrer Martin Cambensy (49) zusammen mit dem Arbeitskreis der Pfarrei St. Martin jetzt Paten für die Gräber. Der Plan: Wer eine Patenschaft übernimmt, erhält das Recht, auf dem Friedhof beerdigt zu werden. Bislang ist dies nicht möglich – die letzte offizielle Beerdigung fand 1909 statt. „Wir wollen den Friedhof auf jeden Fall wiedereröffnen“, sagt der Pfarrer. Schön wäre es, wenn dies bereits 2009 möglich wäre, denn dann sei die letzte Beerdigung genau 100 Jahre her. Und für das Jubiläums-Jahr soll der Friedhof auch in neuem Glanz erscheinen. Dafür wurden bereits die Grabsteine vom wuchernden Efeu befreit. Doch das genügt noch lange nicht: „Viele Grabsteine wackeln und sind porös, müssen somit saniert werden“, erklärt Cambensy. Dafür benötige es Sachverstand – und finanzielle Mittel. Denn zahlreiche Grabdenkmäler stammen aus dem 19. Jahrhundert, sind denkmalgeschützt. Das wiederum könnte aber auch ein Vorteil sein: „Wir lassen momentan überprüfen, ob öffentliche Gelder zur Unterstützung bei der Sanierung fließen können.“ Doch während zumindest die Gräber prominenter Moosacher, wie Bürgermeister und Wirte, ganz gut gepflegt weden, verfallen die anderen zusehens. „Es fehlen oft die Nachkommen“, erklärt der Pfarrer. Um dem Verfall entgegenzuwirken, sollen Patenschaften vergeben werden. Doch bis es soweit ist, müssen noch einige Formalitäten erledigt werden. „Wir brauchen zum Beispiel eine neue Satzung und müssen uns dann auch mit einem Beerdigungsinstitut kurzschließen.“ Doch grundsätzlich dürfte einer Wiedereröffnung des Friedhofes nichts entgegenstehen, meint der Pfarrer. Dem stimmt auch Robert Dreher von der städtischen Friedhofsverwaltung zu. „Es gibt da keine Bedenken“, sagt er. In der Tat müsse aber die Satzung geändert werden, was allerdings problemlos verlaufen sollte. Das Modell mit den Patenschaften findet Robert Dreher interessant: „Das ist völlig neu, so etwas gab es, soweit ich weiß, in München noch nie.“ Pfarrer Martin Cambensy hofft nun, dass alle bürokratischen Arbeiten schnell erledigt werden – und dass die Moosacher sich dem Projekt gegenüber auch aufgeschlossen zeigen. Grund zum Optimismus hat der 49-Jährige: „Mich fragen die Moosacher Bürger immer wieder, ob sie nicht einen Grabplatz auf dem alten Friedhof haben können.“ Tanja Bitterer

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