Olympische Farben-Spiele

Bemalungswettbewerb: So bunt werden die neuen Bungalows im Studentendorf München

Drei Jahre lang hat es gedauert – dann waren alle alten, bemalten Bungalows im Olympischen Dorf abgerissen und die neuen aufgebaut. Nach über 30 Jahren waren die Apartments, in denen 1972 während der Olympischen Spiele Sportler aus aller Welt wohnten, mehr als baufällig. So hielt nach und nach Modernität Einzug ins Dorf – und die Studenten kamen schnell wieder zurück. Doch mit der Sanierung von 2007 bis 2010 ist etwas ganz Wesentliches aus dem historischen Ort gewichen: der Charme der bunten Bauten. Den versucht jetzt das Studentenwerk wieder einzufangen – und hat deshalb einen Bemalungswettbewerb ausgeschrieben, dessen Gewinner nun gekürt wurden. 14 Entwürfe sind bei der Jury eingegangen – wahrlich keine große Menge, aber qualitativ hochwertig, wie es vom Studentenwerk aus heißt. Aus den Einsendungen wurden vier Gewinner gewählt – sie alle erhielten 500 Euro und die Möglichkeit, kostenlos ihre Idee umzusetzen. Denn Farben und Pinsel wurden gestellt. Zwei der Sieger haben ihre Pläne auch bereits verwirklicht, der dritte im Bunde macht sich gerade an die Arbeit. Was entstehen soll, was bereits die kargen Betonwände ziert, sehen und lesen Sie hier. Tanja Bitterer Theodoro Mezgers Projekt »1972« erinnert an Sommerspiele Er wollte in erster Linie einen Bezug zur Vergangenheit herstellen. Deshalb hat sich Theodoro Mezger (Mitte) die Olympischen Spiele als Thema herausgesucht – und auf einer 18 mal fünf Meter großen Betonwand umgesetzt. Sein Projekt mit dem Titel „1972“ verfolgt dabei drei Ziele: Der 26-Jährige will mit seinem Gemälde eine Art Denkmal schaffen, das an die Olympischen Spiele 1972 erinnert. Die Piktogramme hat der gebürtige Kolumbianer dem Erfinder Otl Aicher zu Ehren verwendet. Und zu guter Letzt möchte Thoedoro Mezger darauf hinweisen, dass die Farbkombinationen, die überall im Dorf vorkommen, nicht zufällig gewählt sind. „Es sind die damaligen olympischen Farben“, betont der Landschaftsarchitektur-Student, dem es wichtig ist, „dass die Leute wissen, in welch historischem Dorf sie wohnen“. Zehn Tage lang hat der Wahl-Münchner, der seit eineinhalb Jahren im Dorf lebt, an seinem Kunstwerk gearbeitet. „Freunde haben mir immer wieder geholfen“, betont er. Richtig viel Arbeit war es trotzdem – Theodoro Mezger hat akribisch genau gearbeitet, hat die Vorlage an die Wand gebeamt und mit Bleistift vorgezeichnet. Verhindern konnte er eines allerdings trotzdem nicht: „An manchen Stellen der Wand hält die Farbe nicht richtig. Wahrscheinlich muss ich noch einmal nachmalen“, meint er. Die gelben Schichten hat er bereits fünf Mal aufgetragen... Liebeserklärung an München: Wichtige Bauten im Bild vereint Grau und ungemütlich empfindet Thomas Schönhofer (re.) das neue Studentendorf – und auch seiner Freundin Franziska geht es so, wenn sie bei dem 23-Jährigen zu Besuch ist. Also hat das Pärchen kurzerhand zu Stift und Papier gegriffen und seine „Hommage an München“ für den Bemalungswettbewerb entworfen – mit Olympiaturm, Chinesischem Turm, Bavaria, Frauenkirche, Olympia-Zeltdach, Monopteros, Rathaus und Siegestor. Den Entwurf haben sie frei Hand auf eine vier mal zwei Meter große Wandfläche übertragen. „Es ist nicht alles exakt so geworden wie im Entwurf, aber wir sind trotzdem zufrieden“, sagt der angehende Bauingenieur. Mit der Hilfe von Freunden war das Werk verhältnismäßig schnell vollbracht. „Wir haben etwa eineinhalb Tage gebraucht“, meint der Student, der hofft, dass auch die anderen Dorf-Bewohner schon bald zu Pinsel und Farbe greifen. „Dann wird es hier endlich wieder schön bunt.“ Vorderseite auf Rückseite malen – und mit Leben füllen Hsuan-Yin Peng (li.) konzentriert sich in seinem Projekt auf die Rückseiten der Bungalows. „Sie sind die Gesichter des Dorfes“, meint er. Der Taiwanese möchte die Vorderseiten spiegeln – also die Fronten mit den Fenstern, der Tür und den Balkoneinschnitten, die dann mit Situationen oder Gegenständen gefüllt werden können. Der Klimadesign-Student freut sich, dass zwei Projekte bereits verwirklicht sind. So kann er sich von den Bemalern wertvolle Tipps holen. „Sie meinten, ich müsse unbedingt vor dem Malen die Wand abwaschen“, sagt der 30-Jährige.

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