Kampf um die Lizenz für die 3. Liga

Trotz Aufstieg und Einigung: Darf Türkgücü München doch nicht im Olympiastadion spielen?

Geschäftsführer Max Kothny vor dem Olympiastadion, einer der potenziellen künftigen Spielstätten von Türkgücü München. Ab Herbst könnte hier nach 15 Jahren wieder Herren-Profifußball gespielt werden.
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Geschäftsführer Max Kothny vor dem Olympiastadion, einer der potenziellen künftigen Spielstätten von Türkgücü München. Ab Herbst könnte hier nach 15 Jahren wieder Herren-Profifußball gespielt werden.

Nach Einigung von Olympiapark und Stadt München hat sich Türkgücü München um die Lizenz für die Dritte Liga beworben. Um diese müssen sie aber noch bangen.

  • Die Stadt München und der Olympiapark haben sich geeinigt: Türkgücü München darf in Grünwalder Stadion und Olympiastadion spielen
  • Dennoch muss der Verein um seine Lizenz vom DFB bangen
  • Geschäftsführer Max Kothny im Interview

Olympiapark - „Ich erinnere mich noch, wie unser Präsident meinte, in drei bis vier Jahren wollen wir in der Regionalliga stehen“, beginnt Max Kothny, Geschäftsführer des Vereins Türkgücü München.

Türkgücü München: Aufstieg in Dritte Liga - Stadionfrage lange ungeklärt

Das war vor drei Jahren und nun scheint dieses Ziel für den von türkischen Migranten gegründeten Verein sogar übertroffen worden zu sein: Türkgücü schaffte in dieser Saison den Aufstieg aus der Regional- in die Dritte Liga.

Lange Zeit war aber unklar, wo denn gespielt werden sollte. Das eigene Stadion in der Heinrich-Wieland-Straße ist für den Drittligabetrieb nicht geeignet, das Grünwalder Stadion wird bereits von zwei anderen Teams, 1860 München und FC Bayern II, genutzt. Beide wollten von ihrer Nutzungsvereinbarung auch nicht abweichen.

Türkgücü München: Stadt und Olympiapark einigen sich - Verein dürfte in Grünwalder Stadion und Olympiastadion spielen

Nun scheint eine Lösung vonseiten der Stadt München gefunden: Diese hat mit der Olympia­park München GmbH (OMG) „eine Einigung bezüglich der ungeklärten Stadionfrage von Türkgücü München gefunden“, erklärt Olympiapark-Sprecher Tobias Kohler.

So dürfte Türkgücu nächste Saison neben zwölf Spielen im Grünwalder Stadion auch bis zu maximal acht Partien im Olympiastadion austragen. Diese Spiele seien aber nach Absprache mit der OMG und außerhalb der Open-Air-Saison zu terminieren.

Kohler betont: „Es wäre eine Ausnahme, wenn Türkgücü München den Spielbetrieb auch im Olympiastadion aufnehmen würde.“ Die bestehende Vereinbarung der Stadt über die exklusive Austragung von Fußballspielen in der Allianz Arena werde dadurch nicht aufgeweicht und bleibe weiterhin bestehen.

Türkgücü München: Verein muss um Zulassung bangen - Dokumente weitestgehend beim DFB eingereicht

Doch Kothny muss weiterhin um die Zulassung bangen. Warum das so ist, wie er das Problem versucht zu lösen und wie der Verein die Corona-Krise überstanden hat, verrät er im Hallo­-Interview.

Herr Kothny, wie waren die letzten Tage?

In erster Linie stressig. Nach der Zusage der Stadt München und der OMG mussten wir bis Montag um 17 Uhr alle erforderlichen Dokumente, sofern verfügbar, beim Deutschen Fußball Bund (DFB) einreichen. Das haben wir weitestgehend geschafft.

Türkgücü München: Rückmeldung vom DFB Ende Juni - Hoffen auf einmalige Lösung

Also darf man nun zum Aufstieg gratulieren?

Nein, wir müssen noch auf die Rückmeldung des DFB bis Ende Juni warten. Es ist eine verzwickte Lage, weil wir eigentlich eine wichtige Bedingung des DFB nicht erfüllen: die uneingeschränkte Verfügbarkeit eines Stadions. Stand jetzt hätten wir zwei Stadien, beide aber nicht uneingeschränkt.

Das bedeutet?

Dass der DFB nun hoffentlich eine einmalige Lösung für unser einmaliges Projekt findet.

Türkgücü München: Anfragen bei anderen Vereinen in Bayern - würden lieber in München bleiben

Gibt es Alternativen?

Wir haben bei anderen Vereinen in Bayern wegen der Nutzung ihrer Stadien angefragt, etwa in Burghausen, doch auch dort keine kompletten Unterlagen vorlegen können. Ziel sollte es sein, so viele Spiele wie möglich in München auszutragen.

Welches Stadion würden Sie denn bevorzugen?

Eigentlich das Olympiastadion, wenn alle Bedingungen mit dem Grünwalder Stadion übereinstimmen würden. Dort haben die Münchner Vereine ihre größten Erfolge gefeiert, warum sollten wir das nicht auch tun? Aber auch im Grünwalder Stadion haben wir eine erfolgreiche Vergangenheit.

Türkgücü München: Einnahmen fielen durch Corona weg

Verständlich, dass das Team dann bestimmt heiß auf 3. Liga ist...

Definitiv, ja. Die letzten Monate waren schon ein ständiges Hin und Her. Dazu kam dann auch noch Mitte März die Corona-Pandemie, die uns schwer getroffen hat.

Stichwort Corona: Wie ist der Verein da durchgekommen?

In erster Linie: zusammen. Es war eine schwere Zeit, man hat seit November nicht gespielt, absolviert zwei Trainingslager, bereitet sich auf die Rückrunde vor und dann fällt diese größtenteils weg. Und mit ihr auch die Einnahmen, insbesondere natürlich auch Planeinnahmen für die 3. Liga.

Türkgücü München: Erster Migrantenverein im Profi-Geschäft - erhöhtes Zuschaueraufkommen möglich

Wie groß wäre denn die sportliche Umstellung auf die Dritte Liga?

Gar nicht mal so groß, denke ich. Wir haben jetzt noch 18 Spieler im Kader halten können, mit ein paar Neuzugängen sind wir definitiv gewappnet und können auch gut mitmischen. Bisher waren wir ja ein Team voller Profis, da ändert sich von den Abläufen erstmal nicht so viel.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Natürlich darauf, deutschlandweit Fußball spielen zu dürfen, gegen namhafte Gegner. Wir sind der erste Migrantenverein, der es so weit ins Profi-Geschäft geschafft hat. Der Aufstieg wird uns auch bestimmt Möglichkeiten für die internationale Vermarktung einbringen. Bereits heute wird etwa über unsere Geschichte in der „Gazzetta dello Sport“ in Italien berichtet.

Sie sehen also im Aufstieg weitere Chancen für den Verein?

Definitiv. Wir haben ein großes Potenzial, das jedes Jahr weiter steigt. Das kann uns bei erneuter Erlaubnis auch ein erhöhtes Zuschaueraufkommen sichern.

Wem würden Sie denn am meisten danken, wenn der Aufstieg klappt?

Zunächst dem DFB für die Lizenzerteilung. Dann aber auch der Stadt München und ihrer Spitze für ihre Hilfe, wenn die Stadionlösung beim DFB so akzeptiert wird.

Wenn man nach oben schielen würde, gibt es denn auch Pläne für die 1. oder 2. Bundesliga?

Wirtschaftlich wäre das natürlich so bald wie möglich wünschenswert. Realistisch betrachtet ist es bestimmt nicht falsch, diesen Blick einmal in drei bis vier Jahren zu wagen.

Benedikt Strobach

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