Neue Einkaufswüste im Münchner Norden

Außen sieht alles aus wie immer – doch innen ist der Tengelmann schon ausgeräumt. Dass der Supermarkt geschlossen hat, beklagen (v. li.) Marita Schiller, Hannelore Wilhelm und Otto Knör.

Jetzt klagen auch Bürger aus den Siedlungen Kaltherberge und Am Hart über Supermarkt-Mangel

Milbertshofen Im Münchner Norden grassiert eine Krankheit: das Supermarkt-Sterben. Während die Bürger am Lerchenauer See schon seit Jahren über fehlende Lebensmittler klagen, hat es jetzt auch die Bewohner der Siedlungen Kaltherberge und Am Hart erwischt:Kürzlich hat mit dem Tengelmann der letzte Markt in Fußnähe geschlossen. „Eine Katastrophe für alle, die kein Auto haben“, klagt Hannelore Wilhelm, Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft Kaltherberge. Dabei war der Tengelmann an der Ecke Ingolstädter/Sudetendeutsche Straße eine Institution – fast 30 Jahre lang gab es ihn dort. Doch jetzt passe er nicht mehr ins Filialkonzept, heißt es von Unternehmensseite. Moderne Märkte hätten eine Größe von 1000 Quadratmetern aufwärts – der in Milbertshofen war gerade einmal 330 Quadratmeter groß. „Das ist viel zu klein, um unser breites Angebot zu präsentieren“, erklärt eine Sprecherin. Doch die Bürger brauchen keine Riesenauswahl – „wir brauchen Artikel des täglichen Bedarfs. Wurst, Käse, Milch, Obst und Gemüse“, sagt Anwohnerin Marita Schiller. „Ein kleiner Lebensmittelladen wäre ideal.“ Doch in die Räume an der Ingolstädter Straße soll ein Fahrrad-Reparatur-Laden einziehen. „Unnötig“, meint die 57-Jährige. Hannelore Wilhelm pflichtet ihr bei. Mit dem Tengelmann sterbe nun auch ein Stück Lebensqualität, gibt sie zu bedenken. „Meine Mutter ist jeden Tag dorthin gegangen“, sagt sie. Dieser tägliche Ausflug, der ja gerade für alte Menschen so wichtig sei, falle nun weg. Denn: Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist ein Riesen-Discounter im Euro-Industriepark. Dorthin braucht man fast 20 Minuten zu Fuß. Eine Alternative wäre noch der Supermarkt an der Knorrstraße – doch auch dorthin muss man einen längeren Fußmarsch einplanen. Außerdem soll der Laden ebenfalls bald schließen, hat Otto Knör, Vorsitzender der Siedlungsgemeinschaft Am Hart erfahren. „Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen. Die Klagen gerade der älteren Menschen sind groß“, sagt der 65-Jährige. Betroffen von der Tengelmann-Schließung sind rund 1000 Bürger aus der Siedlung Kaltherberge und 1500 aus der Siedlung Am Hart. Für sie wollen die Siedlungs-Vorsitzenden nun kämpfen: Den Juli über sammeln sie Protest-Unterschriften, die sie dann an den Oberbürgermeister übergeben wollen. Denn: „Wir wollen nicht mehr alles stillschweigend hinnehmen“, betonen sie. Tanja Bitterer

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