„Einmal Altenheim bitte... One-Way-Ticket“

In die Seele gebrannte Geschichten

Die Freimannerin J.B. Chevalier (48) hat aus ihren Erfahrungen mit Demenz ein Buch geschrieben.

Til Schweiger und Didi Hallervorden gaben der Demenz mit „Honig im Kopf“ auf der Kinoleinwand ein Gesicht. Die Freimannerin Josefa B. Chevalier (48) hat mit diesem Thema sehr persönliche Erfahrungen gemacht, die sie in ihrem ersten Buch „Einmal Altenheim bitte... One-Way-Ticket“ teilt. In Episoden erzählt sie – mal sehr lustig, mal traurig – aus dem sich wandelnden Alltag, wenn Tante und Oma plötzlich einfachste Dinge verlernen oder ihre engste Familie nicht mehr erkennen.

Sie arbeiten in der Medizinbranche. Wie kam es zu dem Buch?
Das fing vor sechs Jahren an. Meine Freundinnen hatten mir immer wieder geraten, meine Erlebnisse niederzuschreiben. Irgendwann tat ich das dann. Als ich fertig war, bestand das „Buch“ aber erst einmal nur aus einer Seite.
Dabei blieb es aber nicht.
(lacht) Nein. Nach dem ersten Ausschmücken waren es bereits 41 Seiten. Und tatsächlich kamen dann auch schon die ersten Zusagen von Verlagen.
Letztendlich haben Sie sich dann aber für die Veröffentlichung als book-on-demand entschieden. Warum?
Bei den etablierten Verlagen hätte ich pro verkauftem Buch 45 Cent bekommen. Jetzt sind es 3,70 Euro. Dafür muss ich nun die Kontakte zu den Buchhandlungen herstellen und mein Buch alleine vermarkten. Das ist ein Wagnis und irgendwie auch ein Abenteuer.
Sie schreiben vom Leben mit an Demenz erkrankten Angehörigen – und auch vom Abschied. Hat das Schreiben alte Wunden wieder aufgerissen?
Einiges hat sich in die Seele eingebrannt. Ich arbeite ja in der Medizinbranche und wusste daher, was auf mich zukommt. Mein Vater dagegen ist weinend aus dem Altersheim gerannt, als ihn seine Mutter nicht mehr erkannte. Genau wegen solcher Erlebnisse habe ich dann auch das Buch geschrieben, glaube ich.
Das müssen Sie näher erklären. Was genau wollen Sie Ihren Lesern vermitteln?
Bei uns in der Familie hatte vorher niemand mit Alzheimer oder Demenz zu tun. Und so geht es vielen. Und die wollen dann nicht unbedingt einen medizinischen Ratgeber lesen, sondern eher einen Bericht aus erster Hand, was alles so passiert. Mit vielen tragischen, aber auch vielen lustigen Momenten. Genau das habe ich versucht zu beschreiben.
Wie ist das Feedback von Lesern?
Eine Frau hat das Buch ihrer 93-jährigen Oma vorgelesen. Und diese Oma hat mir dann ein kleines Video geschickt, auf dem sie erzählt, wie sehr sie bei manchen Stellen lachen musste. Mein vielleicht schönstes Kompliment. Solch ein Erlebnis gibt mir das Gefühl, tatsächlich den richtigen Ton bei einem schwierigen Thema getroffen zu haben.
Gibt es schon die Idee für ein zweites Buch oder bleiben Sie „Einzeltäterin“?
Ich hatte schon vor „Einmal Altenheim bitte“ angefangen, ein Buch über meine acht Jahre als Single zu schreiben. Aber die Erfahrungen, die ich dann mit den Demenzfällen in meiner Familie machte, waren dann einfach wichtiger. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich mein erstes Projekt aus den Augen verliere. Ich will es bald zu Ende bringen und als Nachfolger von „Einmal Altenheim bitte“ veröffentlichen.

Marco Heinrich

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