Mangelnde notärztliche Versorgung?

Über 2000 Patienten pro Hausarzt – Kommt ein neues Krankenhaus für den Norden?

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Die Klinik in Schwabing sei für Feldmochinger in Notfällen zu weit weg, moniert Manuela Massaquoi (SPD).

In Feldmoching-Hasenbergl möchte der BA die Situation der notärztlichen Versorgung verbessern – was Stadt und Träger zu den Ideen sagen...

Feldmoching – Bei medizinischen Notfällen ist man froh, ein Krankenhaus in der Nähe zu haben. Dies wünscht man sich im Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl auch. Das Problem: „Die Anfahrtswege aus unserem Stadtbezirk zu Krankenhäusern in der Umgebung sind viel zu weit“, klagt Manuela Massaquoi (SPD) in der jüngsten Sitzung des Viertelgremiums. 

Manuela Massaquoi (SPD)

Ihre Forderungen: Die Anregung einer kassenärztlichen Bereitschafts­praxis bei der kassen­ärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) durch die Stadt München sowie die Errichtung eines Voll-Krankenhaus-Standorts im 24. Stadtbezirk. Massaquoi erklärt: „Die ärztliche Notversorgung im Bezirk ist mit der Bereitschaftspraxis Schwabing schon jetzt völlig unzureichend, dann kommt auch noch das erwartete Wachstum in den nächsten Jahren dazu. 

Erschwerend gibt es auch kein Krankenhaus im Münchner Norden

Eine Versorgungssicherheit kann so nicht gewährleistet werden.“ Während die Idee der kassen­ärztlichen Bereitschaftspraxis gleich einstimmigen Zuspruch im BA fand, reagierten viele Mitglieder auf das Krankenhaus skeptischer. BA-Vize Rainer Großmann (CSU) mahnte vor voreiligen Schlüssen: „Man kann nicht einfach ein Krankenhaus errichten. Wir müssen uns erst einmal einen Plan machen, wie hoch der Bedarf an Krankenhausstandorten in München ist.“ 

Der BA beschloss also, zunächst einen Termin mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) und einem Krankenhausträger wie der München-Klinik zu machen, um sich über die Situation und die Möglichkeiten zu informieren. 

Das RGU beruhigt auf Hallo­-Nachfrage: „Für den Münchner Norden besteht eine umfassende Versorgung über die München-Klinik Schwabing.“ Man sei jedoch stets für erörternde Gespräche zum Thema bereit. Zudem sei aktuell eine Studie zur Notfallversorgung in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse sollen 2022 vorliegen, so eine Sprecherin. Die München-Klinik verwies indes auf das RGU als ersten Ansprechpartner. Und KVB-Sprecher Martin Eulitz erklärt auf Nachfrage: „Es gibt von Seiten der KVB aktuell keine Planungen für die Eröffnung weiterer Bereitschaftspraxen in München.“ 

München-Vergleich: Ärztliche Versorgung im Norden unterdurchschnittlich

Im Raum München sei die Zahl der Ärzte insgesamt so hoch, dass keine weiteren Praxen benötigt werden. Tatsächlich besteht statistisch gesehen in München eine haus­ärztliche Überversorgung. Von einer 100-prozentigen Versorgung spricht man bei einer Quote von 1700 Patienten je Hausarzt. München liegt umgerechnet sogar bei 114,7 Prozent. Das gilt jedoch nur im stadtweiten Durchschnitt. 

Zahlen vom vergangenen Jahr zeigen: Kommen beispielsweise in der Altstadt 201 Patienten auf einen Hausarzt, sind es in Moosach, Feldmoching und im Hasenbergl über 2000, in Milbertshofen-Am Hart sogar über 2200 Patienten. 

Benedikt Strobach

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