Die Mühlen der Behörden

Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten: Reisebüro aus München will helfen, doch Stadt lehnt ab

Ein Mann steht vor einem Reisebüro. Reinhard Schega vom Büro M45 möchte bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen.
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Reinhard Schega, Geschäftsführer des Reisebüros M45 in Milbertshofen, und seine Mitarbeiter wollen dem städtischen Gesundheitsamt in München bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen.

Reisebüro möchte München bei Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen, doch die Stadt lehnt ab. Kurios: In anderen Städten geht es. Die Hintergründe...

  • Das Gesundheitsamt der Stadt München stößt bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsgrenzen an die Grenzen seiner Kapazität.
  • Ein Reisebüro aus Milbertshofen möchte dabei helfen.
  • Wie die Stadt reagiert, wo solche Hilfe schon erfolgt.

Milbertshofen - Der „Lockdown light“ zwingt viele Branchen zum Umdenken. Eine Idee haben nun mehrere Reisebüros: Rund 500 haben sich deutschlandweit bei lokalen Gesundheitsämtern beworben, um bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten zu helfen.

München: Reisebüro möchte bei Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen - Kapazität trotz Bundeswehr-Hilfe knapp

Eine Anfrage kommt aus Milbertshofen: Das Reisebüro M45 hat das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) kontaktiert. Geschäftsführer Reinhard Schega erklärt: „Wir sind im Ort bestens vernetzt und verfügen über gute Kommunikationsfähigkeiten.“ Gerade bei der telefonischen Nachverfolgung von Infektionsketten könne man daher von großer Hilfe sein, so der 64-Jährige. „Zudem hätten unsere Mitarbeiter durch die Kurzarbeit genug Kapazität.“

Doch das RGU lehnte ab. Eine Sprecherin begründete gegenüber Hallo: „Benötigt wird medizinisches, insbesondere ärztliches Personal. Sollten die Mitarbeiter diese Voraussetzung nicht erfüllen, ist eine Bewerbung nicht möglich.“ Bei Schega stößt das auf Unverständnis: „Die Gesundheitsämter sind bereits an den Grenzen ihrer Kapazität. Wir könnten sie entlasten, werden aber abgelehnt?“

Die Lage ist in der Tat so schwierig, dass seit Ende September auch Soldaten der Bundeswehr eingesetzt werden, um die Stadt zu unterstützten. „Von den insgesamt 58 in München eingesetzten Soldaten verfügen 30 über keine besondere medizinische Ausbildung“, erklärt eine Bundeswehr-Sprecherin auf Hallo-Nachfrage. Diese wurden dann vom RGU eingewiesen. „Das wäre bei unseren Mitarbeitern doch auch möglich“, meint Schega.

München: Reisebüro möchte bei Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen - Gesundheitsamt erwartet neue Stellen

Hoffnung hat der Sendlinger jedenfalls noch: Das RGU habe ihm gegenüber gesagt, dass in Bayern noch Budget für 2000 zusätzliche Stellen in den Gesundheitsämtern angekündigt worden sei und man auf ihn zurückkommen werde, wenn klar ist, was das konkret für München bedeute.

Diese Zahl beziehe sich höchstwahrscheinlich auf einen Beschluss der Bayerischen Staatsregierung vom 13. Oktober. Demnach sollen bis zu 2000 staatliche Mitarbeiter zur Unterstützung der sogenannten Contact-Tracing-Teams in den bayerischen Gesundheitsämtern abgestellt werden. Dabei handele es sich jedoch um Beamte und Beamtenanwärter, erklärt eine Sprecherin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege auf Hallo-Nachfrage.

München: Reisebüro möchte bei Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen - Büro in Coesfeld hilft Gesundheitsamt

Kurios: In Coesfeld in Nordrhein-Westfalen arbeitet ein Reisebüro schon mit dem örtlichen Gesundheitsamt zusammen. Dort wurde die Hilfe nicht abgelehnt. Konkret geht es um das Büro Schlagheck. Dessen Geschäftsführerin, Laura Brokamp, erklärt auf Hallo-Anfrage: „Bis zu zehn unserer Mitarbeiter erkundigen sich telefonisch bei Infizierten nach deren Wohlbefinden und geben Updates über den weiteren Quarantäne-Ablauf.“

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