Sport, Hitler und gekühltes Bier

Neues Bayern-Museum in Regensburg zeigt „Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn besonders macht“

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In Regensburg eröffnet ein Bayern-Museum.

So präsentiert sich München in Regensburg: Das neue Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg zeigt in seiner Dauerausstellung „Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn besonders macht“.

München/Regensburg – Ein neues Museum des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg klärt ab sofort auf „Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn besonders macht“. So heißt die Dauerausstellung, die mit Exponat-Ensembles auf 40 Bühnen wichtige Ereignisse vom Beginn des Königreichs 1806 bis heute Revue passieren lässt: vom Tod Ludwigs II. über das Wirtschaftswunder bis hin zu Olympia. Zudem wird in acht Kulturkabinetten dargestellt, was typisch bayerisch ist – oder dafür gehalten wird. Welche Rolle München und die Münchner bei der Präsentation bayerischer Geschichte spielen, zeigen wir beispielhaft auf dieser und der nächsten Seite. Alles Wichtige zum Museum gibt’s unter www.museum.bayern/museum. ul

Olympia 1972: Prägend für München

Bei den Olympischen Spielen 1972 will sich die Bundesrepublik als modernes, demokratisches Land präsentieren. Entsprechend bedeutungsvoll ist das Ereignis für Bayern und den Austragungsort München, wo olympische Bauten bis heute das Erscheinungsbild prägen. Daran erinnert eine eigene Bühne im Museum.

Eigene Bühnen für Olympia 1972.

Linde-Eismaschine als Industriemotor

1876 entwickelte Carl Linde die erste Kältemaschine. Mit diesem Meilenstein der Technik ermöglichte er den Siegeszug des bayerischen Bieres um die Welt. Unter dem Titel „Bayern industrialisiert mit Maß“ ist Lindes Prototyp zu sehen: 2,40 Meter hoch, 5,30 Meter breit, 2,10 Meter tief und fast sechs Tonnen schwer. Die Ur-Linde ist eines der größten Exponate in der Dauerausstellung. Eine ähnliche Linde-Eismaschine von 1881 befindet sich übrigens auf dem denkmalgeschützten Paulaner-Areal in der Au. Sie ist weltweit die älteste, die noch an ihrem ursprünglichen Ort steht.

Die erste Kältemaschine - entwickelt von Carl Linde.

Begrüßung nach Oktoberfest-Art

Ein Wiedersehen mit dem wohl bekanntesten Löwen der Welt gibt es im Foyer des neuen Museums: Dort begrüßt ab sofort der über vier Meter hohe Löwenbräu-Löwe die Besucher. Das brüllende Markenzeichen des Löwenbräu-Wiesnzeltes war 2016 nach Jahrzehnten durch eine neue Figur ersetzt worden.

Das brüllende Markenzeichen des Löwenbräu-Wiesnzeltes.

Führer-Globus erinnert an NS-Zeit

Das Kapitel „Bayern und der Nationalsozialismus“ zeigt unter anderem auf, wie Adolf Hitler in München zur Macht kam. Eines der Exponate ist ein Columbus-Großglobus. Er stammt aus Hitlers Arbeitszimmer im sogenannten „Führerbau“ an der Arcisstraße in der Maxvorstadt und kam jetzt als Leihgabe der Bayerischen Staatsbibliothek ins Museum. Das Loch in dem Globus entstand nach Auskunft von Andrea Rüth, Sprecherin vom Haus der Bayerischen Geschichte, bei Kriegsende 1945: „Amerikanische Soldaten haben den Globus beschädigt, wohl aus Wut auf Hitler und die Nationalsozialisten.“

Der Columbus-Großglobus stammt aus Hitlers Arbeitszimmer im sogenannten „Führerbau“ an der Arcisstraße.

Überraschung für alle

München Ein Stück Würmtal zum Mitnehmen: Das bekommt jedes Grundschulkind ab sofort im Bayern-Museum. Denn der Faltplan, mit dem diese die Ausstellung interaktiv entdecken können, stammt aus der Feder der Gautingerin Rosemarie Zacher. „Ich habe alles gezeichnet, mir den Inhalt ausgedacht und die Texte formuliert“, erzählt die Kunsthistorikerin und Künstlerin. Zwei Jahre lang hat sie mit den Kuratoren daran gearbeitet, Rätsel, Bastelaufgaben und ein Löwen-Logo entworfen. „Dabei war mir vor allem der Bezug zur Jetzt-Zeit und zur Demokratie wichtig“, erklärt Zacher. So können die Kinder auf ihrem Plan über die Schulpflicht abstimmen – wie das Königreich Bayern 1802 auch.

Rosemarie Zacher und Gerd Holzheimer

Auch der Gautinger Literaturexperte Gerd Holzheimer stand dem Museum als freier Mitarbeiter zur Seite. „Ursprünglich sollte ich zwei Zimmer konzipieren: zum bairischen Dialekt und zum Theater. Während er für Ersteres typische Gedichte, Sprecher und Musikbands zusammentrug, entwarf Holzheimer für den Theaterraum fiktive Monologe und Gespräche bayerischer Autoren – von Brecht bis Thoma. „Was genau am Ende davon ausgewählt wurde, weiß ich gar nicht“, so Holzheimer. „Auch für mich wird die Ausstellung also eine Überraschung.“

In  präsentiert er eines seiner Literatur-Szenarien

Feuchtwanger Selbstdarstellung:

1935 beschreibt Feuchtwanger als Fünfzigjähriger im Rückblick sein Leben so: „Der Dichter Lion Feuchtwanger war 19mal in seinem Leben vollkommen glücklich und 14mal abgründig betrübt. 584mal schmerzte und verwirrte ihn bis zur Betäubung die Dummheit der Welt, die sich durch keine Ziffer ausdrücken läßt. Dann wurde er dagegen abgestumpft. Sehr genau erkennend, daß Leistung sich nicht deckt mit Erfolg und daß der Mann sich nicht deckt mit der Leistung, würde er, falls man ihn fragte: „Bist du einverstanden mit Deinem bisherigen Leben?“ erwidern: „Ja, das Ganze nochmal“. Das sieht doch nach einem gelungenen Lebensentwurf aus, vor allem wenn man bedenkt, mit welch knapper Not er im Exil der Gefangenschaft entgangen ist.

rea

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