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Architekten planen Erweiterung: Moosachs altes Bahnhofsgebäude verliert sein Dach

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Von: Benedikt Strobach

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Der Entwurf sieht für das Gebäude an der Bunzlauer Straße 1 zwei neue Stockwerke mit Glasfront vor.
Der Entwurf sieht für das Gebäude an der Bunzlauer Straße 1 zwei neue Stockwerke mit Glasfront vor. © Stenger 2 Architekten und Partner

Architekten wollen das alte Bahnhofsgebäude der Bunzlauer Straße um zwei Geschosse erhöhen. Der BA ist dagegen, die Stadtgestaltungskommission aber begeistert.

Moosach - Zwischen zwei neuen Gebäuden, dem „harry’s home“- und dem „B&B“-Hotel steht ein dreigeschossiges altes Backsteingebäude am Moosacher Bahnhof. Das Haus an der Bunzlauer Straße 1 ist das ehemalige Bahnhofsgebäude. Es soll nach den Plänen des Architekturbüros „Stenger2 Architekten und Partner“ um zwei Stockwerke mit großen Glasfronten und einer Dach­terrasse erweitert werden. Ein Vorhaben, das der örtliche BA Moosach bereits mehrfach abgelehnt hat.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Neubau am alten Bahnhofsgebäude: BA Moosach ist dagegen - Kommission für Stadtgestaltung jedoch begeistert

Die Pläne standen nun nach 2015 erneut auf der Tagesordnung der Stadtgestaltungskommission, die den Stadtrat in strittigen Baufragen mit Auswirkung auf das Stadtbild berät. In den neuen Stockwerken und im Erdgeschoss sind Büroflächen vorgesehen. Die existierenden Geschosse und die Backsteinfassade bleiben laut den Planern erhalten. Zudem soll ein Außenaufzug angebracht werden. Das Satteldach des Gebäudes müsste dafür weichen.

Es sei wichtig, dass man die neue Ergänzung vom Bestand unterscheiden könne, erklärte der planende Architekt Markus Stenger. Heute sei das alte Bahnhofshaus nur ein „kleines Fragment“ zwischen großen Neubauten. Es drohe, von diesen erdrückt zu werden. „Wir wollen, dass das Gebäude wieder Wertigkeit bekommt“, erklärte Stenger.

Anders vor über sechs Jahren zeigten sich diesmal alle Kommissionsmitglieder begeistert vom Entwurf. Münchens Heimatpfleger Bernhard Landbrecht lobte den Umgang mit dem Bestandsgebäude und, dass für die Erweiterung nur ein Baustoff verwendet werde. „Ein gutes Beispiel für Bauen mit Bestand“, fand er. Auch Architekt Christoph Sattler fand lobende Worte: „Es ist schön, dass nicht alles einheitlich gebaut wird.“ Für ihn sei der Kontrast von alt und neu ein „faszinierender Widerspruch“. Architektin Doris Grabner gefiel die offen sichtbare Backsteinfassade. Sie sei bisher nur bei Zug-Pannen in Moosach ausgestiegen. „So hätte ich vielleicht etwas zur Vorfreude beim nächsten Halt am Bahnhof.“

Sie regte zudem an, den Platz um das Gebäude aufzuwerten. Architekt Peter Brückner regte an, die zwei neuen Stockwerke etwas mehr wie ein großes Stockwerk wirken zu lassen. Auch Baudirektor Daniel Oden vom Bayerischen Bauminsiterium war nicht sicher, ob zwei Geschosse nötig seien.

Ende 2015 hatte das Gremium den ersten Entwurf noch abgelehnt. Das Vorhaben sei zu wenig durchdacht und der Kontrast zwischen Backsteingebäude und Glasfassade zu extrem gewesen. Das Gebäude habe für Moosach ortsbildprägenden Charakter und sei für die Entwicklung des Stadtbezirks wichtig gewesen. Durch die Schienenverbindung hätten sich dort viele Gewerbebetriebe angesiedelt.

Heute ist das alte Bahnhofsgebäude an der Bunzlauer Straße 1 noch dreistöckig. Es soll aber um zwei Geschosse erweitert werden und sein Satteldach verlieren.
Heute ist das alte Bahnhofsgebäude an der Bunzlauer Straße 1 noch dreistöckig. Es soll aber um zwei Geschosse erweitert werden und sein Satteldach verlieren. © Benedikt Strobach

Unpassende Optik: BA Moosach lehnt Entwurf für Erweiterung des alten Bahnhofsgebäudes erneut ab

Der BA Moosach blieb hingegen bei seiner Meinung. „Die Optik passt nicht“, erklärt der Vorsitzende Wolfgang Kuhn (SPD) gegenüber Hallo. Auch er meint den Kontrast zwischen Backsteinfassade und Glasfront. Zudem stehe das Haus in der Umgebung der denkmalgeschützten Rathgeber-Villa auf dem Gelände der „Meiller Gärten“.

Für den BA wirke der Entwurf „wie ein unglücklicher Versuch, ein altes Gebäude wiederzubeleben“, sagt Kuhn. Sollte das durchgehen, „wäre es eigentlich besser, das Gebäude gleich abzureißen und komplett neuzubauen“, kritisiert Kuhn scharf. Diese Bedenken trug er auch der Kommission vor. Dort wurde ihm jedoch mehrfach widersprochen.

Architektin Birgit Rapp fände es „zu ruppig“, wenn das Gebäude gänzlich abgerissen und neugebaut würde. „So behält es seinen eigenen Charakter.“ Auch Stadträtin Julia Schönfeld-Knor (SPD) aus Moosach musste dem BA-Vorsitzenden widersprechen: „Der Entwurf wurde super überarbeitet. So gewinnt das Gebäude seine Bedeutung zurück.“ Die Kommission beschloss am Ende, das Vorhaben positiv zu begrüßen. Das sorgte auch beim Leiter der Lokalbaukommission, Cornelius Mager, für Erleichterung: „Wir sind froh, wenn wir das Vorhaben endlich genehmigen können.“

Planer Markus Stenger erklärte, er könne sich eine zurückhaltende Fassadenbegrünung in Randbereichen des Grundstücks vorstellen. An den zwei Geschossen wolle man aber festhalten. „Mit dünneren Quer- und breiteren Längsbalken könnten wir es aber mehr wie ein Stockwerk wirken lassen“, überlegte er. Auch mit dem BA wolle man in Zukunft zusammenarbeiten. „Eventuell könnten wir über künftige Nutzungsmöglichkeiten im Gebäude sprechen“, schlug Stenger vor.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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