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Botanikum vor dem Abriss: Münchner Künstler kämpfen für Verlängerung

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Von: Benedikt Strobach

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Die Ateliers im Botanikum müssen für die Grünfläche eines geplanten Wohnquartiers weichen.
Die Ateliers im Botanikum müssen für die Grünfläche eines geplanten Wohnquartiers weichen. © Benedikt Strobach

Das Moosacher Botanikum steht kurz vor dem Abriss und soll einer neuen Grünanlage weichen. Die dort ansässigen Künstler kämpfen für ihre Ateliers.

Moosach Mitten im Grünen liegen westlich der Feldmochinger und südlich der Max-Born-Straße mehrere Gewächshäuser. Darin blühen zwar keine Pflanzen mehr. Dafür leben dort seit 30 Jahren Kreative ihre Ideen aus. Die Kunstkolonie im Botanikum in Moosach ist im Viertel sehr beliebt. Nur muss sie im Zuge des auf dem Gelände geplanten Quartiers mit 550 Wohnungen, Kindertagesstätten, einer Grundschule, Flexi-Heim und Freizeitstätten weichen – ohne Ersatz.

Gudrun Michel, Krisztina Dózsa-Farkas, Andrea Eisenberger, Ragna Zeit-Wolfrum, Benelisa Franco, Rosina Zimmermann und Gerd Scheuerer (v. li.) haben dann keine Arbeitsräume mehr.
Gudrun Michel, Krisztina Dózsa-Farkas, Andrea Eisenberger, Ragna Zeit-Wolfrum, Benelisa Franco, Rosina Zimmermann und Gerd Scheuerer (v. li.) haben dann keine Arbeitsräume mehr. © Benedikt Strobach

„Wo heute das Botanikum steht, soll künftig eine Ausgleichsfläche sein“, sagt Ragna Zeit-Wolfrum. Sie ist eine von rund 30 Kunstschaffenden vor Ort. „Wir wissen zwar, dass wir dann raus müssen. Aber wann das passiert, ist unklar. Und das beunruhigt uns“, ergänzt Gudrun Michel. Bedeutet: „Wir leben täglich mit der Angst, nicht zu wissen, wann es vorbei ist“, erklärt Andrea Eisenberger.

Botanikum vor Abriss: BA auf Seite der Künstler

„Wenn die Stadt mit den Bauträgern den städtebaulichen Vertrag schließt, können wir nichts mehr am Plan ändern“, erklärt Zeit-Wolfrum. So lange wollen die Künstler noch kämpfen. Bei der Moosacher Bürgerversammlung stellten sie den Antrag, die Ateliers zu erhalten – wenn nicht komplett, dann zumindest, bis angefangen wird, das Wohnquartier zu bauen. In diesem Fall sollten die Künstler dannach bezahlbare Ersatzräume erhalten. Ihr Antrag wurde mit deutlicher Mehrheit angenommen. Auch der BA forderte bereits, die Arbeitsräume zu erhalten. Die Künstler haben zudem mittlerweile 750 Unterschriften dafür gesammelt.

Andernfalls drohe den Kreativen die Straße: „In München sind Ateliers extrem gefragt. Freie Flächen gibt es keine. Wir hätten sonst keinen Arbeitsplatz“, befürchtet Gerd Scheuerer. Ihre Hoffnung liege nun darauf, dass Stadt und Bauträger auf der Ausgleichsfläche die Ateliers erhalten. „Die Anwohner Moosachs sind sehr gerne hier. Gerade Kinder laufen an den offenen Ateliertagen total begeistert durch die Hallen“, begründet Krisztina Dózsa-Farkas. Man könnte die Gelegenheit nutzen und das Angebot um das geplante Jugendkulturzentrum erweitern. „So würde den Jugendlichen auch die Kunst nahegebracht werden“, sagt Scheuerer.

Botanikum vor Abriss: Ateliers sollen für Grünanalage weichen

Das zuständige Planungsreferat bestätigt, dass sich die Ateliers auf dem Areal befinden, das künftig eine Grünanlage für die Bewohner des neuen Quartiers werden soll. Eine Ateliernutzung sei dort allerdings nicht möglich, sagt Sprecher Thorsten Vogel. Man werde aber prüfen, auf der Gemeinbedarfsfläche, die ein Jugendzentrum beinhalten soll, auch Ateliers unterzubringen.

Im März gebe es eine Öffentlichkeitsbeteiligung, Ende 2024 soll der Stadtrat über den Vorentwurf für den Bebauungsplan entscheiden. Das Kulturreferat verweist darauf, dass sich die Künstler um einen anderen Standort bewerben können. Die Stadt unterstütze Kreative regelmäßig mit günstigen Arbeitsateliers und Mietzuschüssen.

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