Motocross, Schafe oder Natur pur?

Freimann

Knatternder Motorradlärm und tiefe Reifenspuren oder beschauliches Vogelgezwitscher und gemütliche Spazierpfade: Wie sieht die Zukunft der Fröttmaninger Heide aus? Bei einer Infoveranstaltung diskutierte der Eigentümer des Gebietes, der Heideflächenverein Münchener Norden, mit Anwohnern und Interessenten. Fazit des Abends: Der Erhalt und die Nutzung der Heide stehen obenan, doch die Vorstellungen und Wünsche der Bürger dazu sind vielseitig und breit gefächert. Ganz klar seien die Ziele formuliert, sagte Unterschleißheims Bürgermeister und Heideflächenvereins-Vorsitzender Rolf Zeitler: „Den langfristigen Erhalt des an Tier- und Pflanzenarten vielfältigen Naturschutzgebietes zum einen, aber auch die Möglichkeit der Naherholung für die Menschen anderseits wollen und müssen wir in Einklang bringen.“ Keinesfalls sei ein „Disney-Freizeitpark“ geplant, sondern vielmehr ein Wegekonzept für Spaziergänger und Radfahrer, das die Natur in ihrer Schönheit berücksichtigt. Eben das sei in der Vergangenheit vor allem durch die militärische Nutzung nicht möglich gewesen. Seit der Übergabe des Eigentums im Juni 2006 müsse nun die Errichtung des Naturschutzgebietes „Nordpark“ vorangetrieben werden, merkte Zeitler an. Dabei stellen sich Fragen wie: „Wie wird künftig mit den Motocross-Fahrern umgegangen, die wild und ungezügelt durchs Gelände kurven?“ „Einhalt gebieten – durch Kontrollen und harte Strafen“, forderte ein aufgebrachter Anwohner. Zustimmendes Kopfnicken ringsum. „Die verpesten die Luft, machen einen Höllenlärm und verursachen durch ihre Fahrmanöver wirtschaftlichen Schaden“, beschwerte sich ein Zuhörer. Bürgermeister Zeitler versuchte zu beschwichtigen: „Vielleicht können wir ein partiell abgetrenntes Gebiet für die Motorradfahrer schaffen.“ Murren im Saal. Man könne nicht nur etwas verbieten, man müsse auch auf die Bedürfnisse der Motorradfahrer eingehen, argumentierte Zeitler. „Dafür habe ich kein Verständnis“, rief ein alter Mann, und kurzzeitig dominierte Aufregung den Saal. „Wir müssen eben an die Vernunft appellieren“, warf Zeitler ein, „und dafür haben wir bereits einiges getan.“ Sicherung von Zugängen zum Heidegebiet, das Aufstellen von Schildern, Müllentsorgung und das Angebot von gezielten naturkundlichen Führungen durchs Gelände seien erste konkrete Schritte. Doch auch das Thema rund um etwaige Altlasten wie Munitionsreste sowie die Bewirtschaftung und Schafbeweidung der Heide bewegt die Gemüter. Derzeit betreiben drei Schäfereien die Hüteschafhaltung auf wechselnden Weidegründen. Man könne gut und gern auf das Vieh verzichten, Natur käme ohne Schafe aus, warf ein Anwohner ein. Zeitler konterte: Schafe in ihrer Lebenshaltung würden ihren Teil zur Pflege der Heidelandschaft beitragen. Auch wenn noch viele Fragen offen sind, soll bis Herbst ein detailliertes Pflege- und Entwicklungskonzept für die Fröttmaninger Heide entstehen, merkte der Bürgermeister an. Entsprechende Maßnahmen seien dann bis Frühjahr 2009 geplant. Zeitler ist optimistisch: „Wir werden es schaffen, Naherholung und Landschaftsbild zu vereinbaren!“ Grit Finauer

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