Virtueller Mörder-Treff?

Wieso mussten die OEZ-Opfer sterben?

+
Bei dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum wurden 2016 neun Menschen getötet.

Moosach - Rassismus, Terror oder private Motive? Brisanten Recherchen zufolge hatte der Amokläufer Kontakt zu anderen Attentätern: Welche Erkenntnisse es gibt und was sie bedeuten

Viele Experten haben sich bemüht, das Unbegreifliche zu begreifen: Lange wurde darüber gestritten, ob David S., der im Juli 2016 am Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen tötete, aus rassistischen, rechtsextremen, terror­istischen oder persönlichen Motiven handelte. Jetzt muss die Tat womöglich komplett neu bewertet werden. Darauf deuten Recherchen des ARD-Magazins „Fakt“ hin. 

Demnach hatte der Täter David S. Chatkontakt mit William Atchinson, der im Dezember an der Aztec High School in den USA ein Massaker mit drei Toten verübte. Besonders brisant: Deutsche Behörden sollen Atchinson schon vor Monaten als Bekannten von S. identifiziert und das aber nicht an die USA weitergegeben haben. Nach den Recherchen soll sich Atchinson über das Benutzerprofil von David S. auf einer Spieleplattform sogar direkt an die deutsche Polizei gewandt haben. Außerdem soll er im Internet mehrere glorifizierende Nachrufe auf den Münchner Attentäter verfasst haben. Kurz nach dem Amok- lauf am Olympia-Einkaufszentrum hätte zudem ein Zeuge der Polizei Hinweise auf Chatgruppen gegeben, in denen sich David S. mit anderen potentiellen Attentätern ausgetauscht hatte, heißt es in dem Bericht. 

Sollte es tatsächlich eine Radikalisierung über Online-Plattformen gegeben haben, müsse der Münchner Anschlag neu eingeordnet werden, sagte Florian Hartleb, der das Gutachten für die Stadt München erstellt hat, der ARD: „Wir müssen den Fall von David Sonboly als internationales Phänomen betrachten und wir müssen nun schauen, ob es sich hier nicht um ein virtuelles Netzwerk potentieller Massenmörder handelt.“ cla

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.