Ein Ausweg für die Amphibien

Westfriedhof: Zwei neue Tunnel bieten Amphibien einen rettenden Ausweg

Der große Teich am Westfriedhof ist ein Paradies für Frösche.
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Der große Teich am Westfriedhof ist ein Paradies für Frösche.
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Korbinian von Oelhafen (Städtische Friedhöfe) freut sich, dass sie dank zweier Tunnel nun auch lebend ankommen.
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Korbinian von Oelhafen (Städtische Friedhöfe) freut sich, dass sie dank zweier Tunnel nun auch lebend ankommen.
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Moosach: Das große Frosch-Sterben auf dem Westfriedhof hat ein Ende. Eine Mauer wurde den Amphibien auf dem Weg zum Teich immer wieder zum Verhängnis.

Leichen statt Laichen. So makaber ließ sich die Situation für Frösche zusammenfassen – ausgerechnet am Westfriedhof. Der lockende Teich war für sie nur noch weniger Meter entfernt, doch eine Mauer stand unüberwindlich im Weg. Die Frösche waren in der Falle und ein gefundenes Fressen für Rabenkrähen. Über Monate waren immer wieder Leichenteile der Frösche auf Gräbern zu entdecken, teilweise lagen sie sogar in Weihwasserbecken. Kein schöner Anblick für die Menschen. Und ein schreckliches Ende für viele Tiere.

„Frösche sind intellektuell nicht die Allerhellsten. Sie haben sich vor dem Hindernis versammelt, so dass die Rabenkrähen nur noch zugreifen mussten. Die ernähren sich praktisch von allem, was sie in den Schnabel kriegen können“, erzählt Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz. Dass sich ausgerechnet diese In-

stitution auf die Seite der Frösche stellte, ist übrigens nur auf den ersten Blick verwunderlich. „Der Naturschutz hat sich aus dem Vogelschutz entwickelt. Wir setzen uns schon lange für die Umwelt in jeder Hinsicht ein, auch für Amphibien“, erklärt Engel. Doch bis es zu einer Lösung des Problems kam, waren noch ein paar Hürden aus dem Weg zu räumen. Denn nicht nur die Verwaltung des Westfriedhofs war gefragt, auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege musste dem Bau von zwei kleinen Tunneln durch die verhängnisvolle Mauer zustimmen.

„Der Westfriedhof steht unter Denkmalschutz. Wir konnten also nicht einfach so anfangen zu bohren“, sagt Korbinian von Oelhafen, Sachgebietsleiter der Städtischen Friedhöfe München. Obwohl das Problem schon im Frühling 2016 auftauchte und die ersten Beschwerden kamen, konnten die Tunnel erst im Laufe dieses Jahres angelegt werden. Möglicherweise werden noch zwei weitere gebohrt. Und auch an eine Führungsschiene wurde bereits gedacht, die den Fröschen den richtigen Weg weist. „Die Laichzeit der Frösche ist für dieses Jahr so gut wie beendet, das Problem ist mittlerweile im Griff“, sagt von Oelhafen: „Wir begreifen die Friedhöfe auch als Lebensraum für viele Tierarten. Umso mehr lag es uns am Herzen, das massenhafte Sterben der Frösche zu beenden.“ Das gelang. Heute müssen sich die Rabenkrähen schon anstrengen, um einen Frosch zu erbeuten.

Nur zwei Froscharten gelten in München als ungefährdet. Sechs Arten sind gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Die Gelbbauchunke gibt es bereits jetzt in der Stadt nicht mehr.
Marco Heinrich

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