Moosacher fordert Abschaffung kostenpflichtiger Toiletten

Igitt! Hier stinkt es zum Himmel!

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Luciano Saraceni (83) ist frustriert: Obwohl so viele öffentliche Toiletten kostenpflichtig sind, wird nicht genug gereinigt.

Moosach – Ekel-Klos trotz Obolus: Viele öffentliche Toiletten in den Sperrengeschossen sind kostenpflichtig – sauber sind sie deshalb aber keineswegs – Hallo hat nachgehakt

Luciano Saraceni (83) ist ein vielbeschäftigter Rentner. Er singt im ASZ und ist oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Doch wenn ihn ein dringendes Bedürfnis plagt, graust es den Moosacher. Denn: Sollte er einmal sein Geld vergessen haben, kann es noch so sehr pressieren. „Ich zahle 155 Euro für eine MVV-Karte und dann darf ich noch nicht einmal umsonst auf die Toilette gehen.“

Seit einigen Jahren saniert die „LHM Services“ ihre WC-Anlagen schrittweise und installierte bisher in elf Toiletten Schranken mit einer Nutzungsgebühr von 60 Cent.

Der Hintergrund: Nach zwölfjähriger Diskussion beschloss der Stadtrat 2015 eine große Reform bei öffentlichen WC-Anlagen. Für die Sanitäranlagen in den Sperrengeschossen der S-Bahn ist die Deutsche Bahn zuständig. Das Tochterunternehmen der Stadtwerke München, die „LHM Services“, kümmert sich um 63 öffentliche Toiletten im Raum München, 52 davon sind nach wie vor kostenfrei. Die „LHM Services“ saniert nun seit einigen Jahren ihre WC-Anlagen schrittweise und installierte bisher in elf Toiletten Schranken mit einer Nutzungsgebühr von 60 Cent. Die verbleibenden 52 sollen auch noch modernisiert und mit Schranken versehen werden (Hallo berichtete).

„Eine Frechheit“, findet Luciano Saraceni. Doch wenn die kostenpflichtigen Klohäusl wenigstens sauber wären, würde Saraceni still sein Geschäft verrichten. „Viele Münchner benehmen sich auf unbewachten Sanitäranlagen wie Saubären“, klagt der Rentner. „Alles verkotet und nur einmal am Tag wird gereinigt. Bemerkt wird das erst viel zu spät, weil ja niemand vor Ort ist.“ An die möglichen Unfälle, die auf den Ekel-Klos viel zu spät entdeckt würden, möchte der Rentner gar nicht denken. Dazu kommen Urinpfützen in der Anlage in Moosach, verschmierte Klo­brillen und ein bissiger Gestank in der Luft.

Aus purer Verzweiflung stellte der 83-Jährige einen Antrag in der Bürgerversammlung Moosach. „Wir älteren Münchner müssen einfach öfter zum Wasserlassen, werden fürs Altsein quasi bestraft und sollen ohne Ende zahlen“, klagt Saraceni. „Dann kann ich meine Rente gleich die Toilette hinunterspülen.“

Die „LHM Services“ möchte zumindest etwas gegen die starken Verschmutzungen tun. „Da nicht an jedem Standort Personal präsent sein kann, bitten wir in solchen Fällen um Rückmeldung durch die Nutzer. Die Daten hängen in allen WC-Anlagen aus“, sagt ein Sprecher der Stadtwerke. Die Schranken wieder abzubauen, komme nach der Reform nicht infrage. Bei der Bürgerversammlung stimmte die Mehrheit Saracenis Forderung zu. Der will so lange weiter kämpfen, bis er auf die Toilette gehen kann – kostenfrei.

Julia Langhof

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