Ein Vorbild für ganz München in Sachen Bau und Konzept

Der gläserne Campus: Lernen bald alle so wie die Moosacher Realschüler?

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Neu sind nicht nur die Schließfächer (jeder Schüler hat eins), sondern auch die Lerninsel, die von den Klassenzimmern aus durch Glasscheiben eingesehen werden kann.

Moosach - Transparente Wände in den Klassenzimmern, vergrößerte Flächen für Freizeitgestaltung und keine unangekündigten Prüfungen mehr: So sieht es das neue Konzept des Schulcampus an der Gerastraße vor

Dieses Projekt hat Vorbildcharakter für die ganze Stadt. Das Zauberwort in doppelter Hinsicht: „Transparenz“. Das betonte die Stadtschulrätin Beatrix Zurek bei der Eröffnung des sanierten und erweiterten Schulcampus in der Gerastraße. 2700 Quadratmeter wurden zusätzlich erschlossen.

Alles neu: Die Aula erstrahlt nun in freundlichem Gelb.

Die Transparenz spiegelt sich nicht nur in der Architektur, sondern auch im neuen Lernkonzept wider. Durch sogenannte „Lernbüros“ wird individuelles und eigenständiges Lernen gefördert. In jeder Etage gibt es zwei „Lernhäuser“ mit jeweils sechs Klassenzimmern. Sie fungieren als „kleine Schule im großen Schulhaus.“ Das heißt, Lehrer können ihre Schüler in einem zusätzlichen Lernraum über transparente Wände beobachten. Weil diese Lernhäuser individuelles Fördern erleichtert, gelten sie als Konzept der Zukunft.

Für die sportliche Betätigung darf selbstverständlich auch die Boulderwand nicht fehlen.

Die Voraussetzungen dafür haben sowohl das in dem Komplex beheimatete Gymnasium als auch die städtische Artur-Kutscher-Realschule (AKR). Zumindest an letzterer wird es auch ab sofort umgesetzt. Die Schüler sollen sich den Stoff selbständig aneignen und innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens entscheiden, wann sie einen Test schreiben. Es gibt keine unangekündigten Prüfungen mehr. Der Tagesablauf – täglich bis 15.30 Uhr verpflichtend – wurde an die Leistungskurve der Schüler angepasst: Unterrichtsphasen, Lernzeiten und Freizeitangebote wechseln sich im Doppelstunden-Rhythmus ab.

Auch baulich hat sich einiges geändert: Um optimal lernen zu können, dürfen sich die Schüler der AKR in den Freizeitphasen auf der vergrößerten Pausenfläche, der Kletterwand in der neuen Sporthalle oder im sanierten Schulschwimmbad austoben. „Die Mischung ist wichtig. Es gibt unterschiedliche Lerntypen – manche tun sich am Nachmittag leichter, andere früh morgens“, sagt Bürgermeisterin Christine Strobl.

Auch die Turnhalle wurde komplett erneuert.

„Weil die Unterrichtsweise komplexer geworden ist und der Nachmittagsunterricht ausgebaut wurde, braucht es zudem mehr Lehrer“, erklärt Ursula Oberhuber, Sprecherin des Referats für Bildung und Sport. „Wir brauchen für zwei Klassen drei Lehrkräfte“, konkretisiert Realschuldirektorin Regina Lotterschmid (kl. Foto). Insgesamt wurden deshalb in den städtischen Gymnasien 68 und in den städtischen Realschulen 52 neue Lehrer eingestellt.

Dennoch: Wegen der Umstellung zum G9 wird bis 2030 ein Raumbedarf in der Größenordnung von vier zusätzlichen Gymnasien erwartet. Auch an bestehenden Schulen, wie der AKR, wären – abhängig von den räumlichen Gegebenheiten – Lösungen mit Pavillonbauten denkbar.

Isabella Meier

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