„Ich würde mich gerne an die Regeln halten, aber wenn einfach kein Platz da ist?“

Falschparken für die Gesundheit

+
Was tun, wenn der Arzt der Frau in einem Gebiet von Dauerparkern liegt? Peter M. bleibt nur die Möglichkeit, im Halteverbot zu parken und um sein Auto zu spazieren.

Moosach – Eine Geschichte, die ans Herz geht: Dieser Münchner riskiert regelmäßig Strafzettel, damit seine kranke Frau behandelt werden kann

Peter M. (Name von der Redaktion geändert) rückt seinen schwarzen Mantel zurecht. Wie so oft im letzten Jahr wartete er auf seine Frau Inge, die in der Urologiepraxis im Medicenter an der Hanauer Straße behandelt wird. Am liebsten würde er seine Frau begleiten, ihre Hand halten – doch das musste das Ehepaar schon vor einiger Zeit aufgeben.

Denn: Vor allem in der Ehrenbreitsteiner Straße direkt neben dem Medicenter ist immer alles zugeparkt. „Dachauer, Regensburger, Freisinger: Die Pendler wissen schon genau, wo es noch kostenlose Parkplätze gibt. Da bleibt nur die Möglichkeit, mich ins Halteverbot zu stellen und um mein Auto zu spazieren, damit Inge es nicht zu weit hat“, sagt der ehemalige Lehrer. „Früher habe ich noch auf den gebührenpflichtigen Parkplätzen am Olympia-Einkaufszentrum geparkt, aber das wird einfach zu teuer.“ Bisher wurde der Rentner erst zweimal von der Polizei erwischt und musste zahlen, aber das ungute Gefühl ist sein ständiger Begleiter auf dem Weg zum Arzt: „Ich würde mich gerne an die Regeln halten, aber wenn einfach kein Platz da ist?“

BA-Vorsitzender Wolfgang Kuhn (SPD) sieht längerfristig nur einen möglichen Ausweg aus der problematischen Lage: Den Bau einer Tiefgarage am Medicenter.

Auch Anwohner Günther Sandl nervt die ewige Parkplatz-Keilerei. Er stellte deswegen einen Bürgerantrag im Bezirks­ausschuss (BA) Moosach. „Schon ab sechs Uhr früh sind die Stellplätze belegt und weder Besucher des Ärztehauses noch Lieferverkehr finden Parkplätze“, so der Münchner. Sein Lösungsvorschlag: Die Ehrenbreitsteiner Straße mit Parkscheibenpflicht auszustatten, damit Autos nicht länger als zwei Stunden am Stück abgestellt werden können.

BA-Vorsitzender Wolfgang Kuhn (SPD) ist auf der Seite des Anwohners, sieht längerfristig jedoch nur einen Ausweg. „Wir bräuchten eine Tiefgarage unter dem Medicenter.“ Das Gremium stimmte mehrheitlich für eine erneute Diskussion im Unterausschuss Verkehr. Peter M. wird trotzdem bis auf Weiteres falsch parken. „Die Gesundheit meiner Frau ist schließlich wichtiger als jeder Parkzettel.“

Julia Langhof

Falsch parken: So ist die Rechtslage

Laut §12 der Straßenverkehrsordnung (StVo) zählt: Wer sein Fahrzeug verlässt oder länger als drei Minuten hält, der parkt. Laut Bußgeldkatalog wird Parken im Halteverbot als Ordnungswidrigkeit gesehen und mit zehn bis fünfzehn Euro Bußgeld bestraft. Weitere Infos zum regelwidrigen Parken unter: www.bussgeldkatalog.org/strafzettel-parken/

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare