Alte Villa soll Neubau weichen

Wurde das Gebäude in der Griegstraße absichtlich beschädigt?

Ein Bild der Villa in gutem Zustand aus dem Sommer vergangenen Jahres.
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Ein Bild der Villa in gutem Zustand aus dem Sommer vergangenen Jahres.

Milbertshofen - Noch im letzten Sommer war die Villa in gutem Zustand - Wie kann es sein, dass urplötzlich die gesamte Fassade auseinanderfällt? Hallo hat nachgehakt

Ein runder Erker mit Balkon, oben prangt groß die Jahreszahl 1925: So sah die alte Villa in der Griegstraße noch im Sommer 2017 aus. Heute sind das Balkongeländer, viele Fenster und die Jahreszahl weg, es fehlen zudem Dachplatten und die umlaufende Stuckleiste ist beschädigt. „Da drängt sich der Verdacht auf, dass mutwillig Tatsachen geschaffen wurden, damit das Gebäude nicht denkmalschutzwürdig ist“, erklärt Leo Meyer-Giesow vom Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart. „Vieles, was für den Denkmalschutz relevant sein könnte, wurde entfernt.“ Seine ÖFW/ÖDP-Fraktion will deshalb einen Antrag für den Erhalt des Gebäudes stellen. Ein Wunsch, den viele Bürger teilen. 

Heute zeigt sich das Gebäude zerstört und in renovierungsbedürftigem Zustand.

Dorrit Wess und Sven Eichhorn haben vergangenes Jahr gemeinsam mit dem Kulturhaus Milbertshofen ein Projekt unter dem Titel „Fassadengeschichten“ realisiert. „Die alten Gebäude sind sowieso schon fast alle verschwunden“, sagt Wess. „Viele können gar nicht mehr nachvollziehen, dass Feldmoching mal ein Dorf war.“ Bei dem Projekt haben Bürger Fassaden im Stadtviertel fotografiert und Geschichten dazu recherchiert. Die alte Villa hat Annette Ziller übernommen. Im Sommer hat sie die ersten Bilder gemacht – da war noch alles intakt und gepflegt. „Als ich im Winter das Haus noch einmal fotografieren wollte, war es schon zerstört“, berichtet sie. „Das ist wirklich sehr schade.“ Auch im Kulturhaus bedauert man die Entwicklung. „Das Gebäude kennt jeder hier im Viertel“, sagt Diana Koch vom Kulturhaus. „Wenn solche Häuser verschwinden und alles zu einem Einheitsbrei wird, verliert Milbertshofen seinen Charme.“ Sie betont, sich nicht generell gegen Neubebauungen zu stellen: „Aber dabei bräuchte man schon ein gewisses Gespür für den Stadtteil.“ 

Dorrit Wess und Sven Eichhorn haben vergangenes Jahr gemeinsam mit dem Kulturhaus Milbertshofen ein Projekt unter dem Titel „Fassadengeschichten“ realisiert.

Die Villa gehört seit Herbst dem Immobilienunternehmen 3Bau. Dort möchte man auf Hallo-Nachfrage keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben. Die Firma plant, auf dem Grundstück einen Neubau mit 30 Wohneinheiten und Tiefgarage zu erstellen. Die Villa soll abgebrochen werden, wie Thorsten Vogel vom Planungsreferat mitteilt. Bei der Lokalbaukommission liegt ein Vorbescheidsantrag vor, das Verfahren läuft noch. Im November 2017 kam das Landesamt für Denkmalpflege nach einer Überprüfung zu dem Ergebnis, dass die Villa kein Denkmal sei. In einem Schreiben an den BA begründete das Amt dies unter anderem mit späten baulichen Veränderungen und fehlenden Ausbau- und Ausstattungselemente wie zum Beispiel dem Balkongitter. cla

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