Verein „Stadtteilarbeit“

Viertel im Wandel: Ex-Stadtteilarbeiter über Milbertshofens Zukunft

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Milbertshofen: Über 30 Jahre hat Franz Lindinger (64) als Geschäftsführer des Vereins „Stadtteilarbeit“ das soziale Leben in Milbertshofen gestaltet.

Über 30 Jahre hat Franz Lindinger (64) als Geschäftsführer des Vereins „Stadtteilarbeit“ das soziale Leben in Milbertshofen gestaltet. Lindinger war seit der Gründung von Stadtteilarbeit federführend bei dem Verein, der inzwischen mehrere Kindertagesstätten, Beratungsstellen und Freizeiteinrichtungen betreibt. Dieses Jahr gab er die Leitung ab. Für sein Engagement wurde er jetzt von der Stadt mit der Medaille „München leuchtet“ geehrt. Im Interview blickt er in die Zukunft:

Herr Lindinger, warum ist gerade in Milbertshofen ein Verein wie Stadtteilarbeit so wichtig?

Milbertshofen hatte schon immer einen sehr hohen Ausländeranteil und musste eine große Integrationsleistung bewältigen. Früher gab es dafür aber keine gute Infrastruktur. 1980 gab es ein Projekt des Sozialreferats, mit dem Integration durch den Kindergarten gefördert werden sollte. Als das Projekt nach vier Jahren auslief, haben wir Stadtteilarbeit gegründet, um die Initiativen weiterzuführen. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Angebote dazu.

Hat sich der Stadtteil über die Jahre verändert?

Ja, es leben jetzt nicht mehr nur Arbeiter sondern auch immer mehr Akademiker in Milbertshofen. Auch die Wohnstruktur ist anders. Es sind viele Eigentumswohnungen entstanden, viele Neubauten sind in hohen Preissegmenten. Angestammte Milbertshofener müssen wegziehen, weil sie sich das nicht mehr leisten können. Viele Familien wohnen in zu kleinen Wohnungen, die Ellbogenmentalität nimmt zu.

Welche weiteren Schwierigkeiten gibt es?

Ein Herausforderung bleibt, mit der Vielfalt umzugehen, hier leben mindestens 30 verschiedene Nationalitäten. Aber da sind wir im Stadtteil gut aufgestellt. Auch wenn natürlich nicht alle Konflikte vermieden werden können, ist die Stimmung gut. Ein Problem ist der überbordende Verkehr und auch die Schulen sind brechend voll. Wir sind mittlerweile der am dichtesten bebaute Stadtteil in München und müssen um jede freie Fläche kämpfen. Die Nachverdichtung verringert die Lebensqualität.

Was braucht es, um mit diesen Herausforderungen fertig zu werden?

Wir bräuchten mehr Mitarbeiter und mehr Unterstützung von der Politik. Gerade läuft zum Beispiel ein Modellprojekt, das Jugendliche aus der Mittelschule beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützt. Zum Ende des Schuljahres geht es zu Ende und wird wohl leider nicht weiter finanziert. Fest steht, dass viel Arbeit für bleibt. Ich hoffe, dass es genug Geld gibt, damit wir diese Arbeit erledigen können.

Wie geht es für Sie persönlich weiter?

Ich brauche jetzt erst einmal etwas Abstand. Die letzten Jahre waren anstrengend. Man wird sehen, ob sich irgendwann eine Gelegenheit ergibt, sich zu engagieren. Ich denke da zum Beispiel an ein Stadtteilmuseum.

Interview: Claudia Schuri

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