Milbertshofen

BMW plant ein eigenes Stromnetz

+
Nicht nur für den Antrieb der eigenen Autos braucht BMW Energie.

Bis 2018 sollen neue Anlagen gebaut werden, um einen Teil des Energie-Eigenbedarfs zu decken.

Der Strom kommt aus der Steckdose – aber das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte. BMW plant derzeit, ein größerer Teil von dem zu werden, was sich hinter der Steckdose verbirgt. Das BMW-Werk in der Dostlerstraße und das Forschungs- und Innovationszentrum FIZ sollen zukünftig durch eigene KWK-Anlagen (Kraft-Wärme-Kopplung) mit Wärme und zum Teil mit Strom versorgt werden.

Die restlichen BMW-Standorte in Milbertshofen/Am Hart und Freimann verbleiben zwar an der Fernwärmeversorgung der Stadtwerke München (SWM). Trotzdem ist es ein massiver Schritt, wenn das größte Unternehmen der Stadt teilweise aus der öffentlichen Energieversorgung austritt. Auch wenn Jochen Frey von der BMW Group beschwichtigt: „Wir wollen auch in Zukunft mit den Stadtwerken zusammenarbeiten. Dazu fand im Januar auch ein Treffen statt.“

Die neuen KWK-Anlagen bestehen aus erdgasgefeuerten Motoren mit einer Gesamtleistung von etwa 30 Megawatt, die in den Energiezentralen des Werkes und des FIZ aufgestellt werden sollen. „Die Stadtwerke beabsichtigen, zukünftig aus nachhaltigen Gründen die Vorlauftemperatur im Fernwärmenetz zu reduzieren. Im Produktionswerk und im FIZ haben wir aber Verbraucher, die eine höhere Temperatur benötigen, die wir mit unseren neuen Anlagen sicherstellen“, erklärt Frey, dass der neue Plan auch aus technischen Überlegungen gefasst wurde. Der Baubeginn ist im dritten Quartal 2017 geplant, Ende 2018 soll alles fertig sein. Kritisch ist, dass zur Energiegewinnung eben Erdgas verwendet wird, während die Stadtwerke verstärkt auf die Nutzung regenerativer Energien setzen. Bis 2025 soll so viel Ökostrom in eigenen Anlagen produziert werden wie ganz München benötigt. Dass BMW gleichzeitig lieber auf Erdgas setzt, kann den Stadtwerken nicht gefallen. Doch auf Nachfrage gibt sich SWM-Sprecherin Bettina Hess zugeknöpft: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht über unsere Kunden.“

Ist der BMW-Plan also ökologisch ein Schritt nach hinten? Im Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart rufen die Pläne jedenfalls unterschiedliche Reaktionen hervor. Zwei Mal stand das Thema bereits auf der Tagesordnung, jeweils wurde das Thema vertragt. Nun soll sich der Unterausschuss Bau und Umwelt am 11. April im Rahmen einer öffentlichen Sitzung vertieft mit den neuen Energie-Plänen von BMW befassen.
Marco Heinrich

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare