Shuttle als Zubringer zu den Haltestellen?

Bus ohne Fahrer und Lenkrad: Stadtwerke testen autonomes Shuttle

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Passagiere beim Test des selbstfahrenden Shuttles (v.l.): Gunnar Heipp von der MVG, Cristina Zielke von PostAuto aus der Schweiz und Frédéric Sartou von der Herstellerfirma Navya.

Moosach: Ein Einsatz in München könnte in einigen Jahren möglich sein.

Der Sitzplatz für den Busfahrer fehlt, genauso wie ein Lenkrad. Stattdessen liegt nur ein Joystick, der an die Spielkonsolen-Steuerung erinnert, auf der Ablagefläche. Das Gefährt, das in diesen Tagen auf dem Gelände der Stadtwerke seine Runden dreht, sieht futuristisch aus. Es ist ein fahrerloser Kleinbus, der in der Schweiz bereits für das Transportunternehmen PostAuto im Einsatz ist. Jetzt haben ihn die Stadtwerke auf ihrem Gelände getestet.

„Wir wollen uns mit der Entwicklung frühzeitig auseinander setzen“, sagt Gunnar Heipp, Leiter Strategische Planungsprojekte bei der MVG. Je nachdem, wie sich Technik und Preis des bislang 250 000 Euro teuren Fahrzeuges entwickeln, könnte Heipp sich vorstellen, dass der Shuttle ohne Fahrer in zehn bis 15 Jahren auch in München eingesetzt wird.

Keine Sorge für Mitarbeiter

Mitarbeiter sollen dadurch jedoch nicht ersetzt werden, betont Heipp. Ziel sei, das Angebot auszuweiten. „Man könnte zum Beispiel in Stadtteilen, in denen wenig Leute wohnen oder auch nachts mehr anbieten“, sagt Heipp. Heute sei das wirtschaftlich nicht möglich, die Nachfrage aber sei groß. „Zum Beispiel in Allach oder im Münchner Norden am Stadtrand bekommen wir immer wieder Anfragen.“ Auch als Zubringer zu Haltestellen könnte der Wagen dienen.

In der Schweizer Stadt Sitten sind bereits seit 16 Monaten zwei autonome Kleinbusse mit elf Sitzplätzen auf den Straßen der Altstadt unterwegs. Sie fahren mit 20 Stundenkilometern eine festgelegte Strecke mit fünf Haltestellen ab. „30 000 Menschen wurden bereits transportiert, unsere Erfahrungen sind sehr positiv“, erklärt Cristina Zielke von PostAuto. „Viele Leute waren zuerst skeptisch, inzwischen ist der Shuttle aber gerade bei Älteren sehr beliebt.“

Auch sehr enge Stellen würde das Fahrzeug gut bewältigen. Wenn jemand auf die Fahrbahn läuft, macht es automatisch eine Vollbremsung, Hindernisse wie parkende Autos erkennt es. Hier sind aber weitere Verbesserungen nötig: Der Kleinbus bleibt zwar stehen, hat aber mit dem Umfahren des Hindernisses noch Probleme. Ganz alleine fährt der Shuttle in der Schweiz noch nicht, es ist immer ein Mitarbeiter, ein Operator, dabei, der im Notfall über einen Joystick die Steuerung übernehmen kann.

„Unser Ziel ist, dass bis 2020 gar kein Operator mehr mitfahren muss“, sagt Frédéric Sartou von Navya, dem Unternehmen, das die Shuttles herstellt und bis jetzt weltweit 45 Wagen verkauft hat. „Sensoren scannen die Umwelt dreidimensional, zentimetergenau“, erklärt er. Außerdem hätten die Fahrzeuge Kameras, die Farben erkennen, und eine Blackbox eingebaut. Vor der ersten autonomen Fahrt muss die Route einmal manuell abgefahren werden.

Auch der Innenhof der Stadtwerke wurde so kartiert, damit der Bus auf einer Route zwischen zwei Stopps pendeln kann. Nach den ersten Testfahrten stand fest: „Wir sind neugierig, wie sich die Technologie weiterentwickelt“, sagt Gunnar Heipp.
Claudia Schuri

Daten zum autonomen Shuttle

Größe: Länge 4,75 Meter, Breite 2,11 Meter, Höhe 2,65 Meter
Gewicht: 3450 Kilogramm
Geschwindigkeit: Im Rahmen des Testbetriebs maximal 20 Kilometer pro Stunde, technisch möglich sind 45 Stundenkilometer, langfristig sollen die Shuttles schneller fahren
Antrieb: Batteriebetrieben, Kapazität liegt bei 33 kWh
Laufzeit: Akkulaufzeit rund neun Stunden, Ladedauer etwa acht Stunden
Preis: Rund 250 000 Euro

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