Kampf um die Oasen

Muss die Idylle dem Radweg weichen?

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Die Kleingärtner wehren sich gegen die Schließung von Parzellen.

Moosach/Milbertshofen - Grauer Teer statt idyllischem Grün? Die Kleingartenbesitzer fühlen sich missverstanden und wollen für den Erhalt ihrer Parzellen kämpfen

Blumen, Gemüse, alte Bäume und vieles mehr wächst in den Gärten in der Kleingartenanlage an der Ecke Lassallestraße/Triebstraße. Doch die Gärtner befürchten, dass diese Idylle verschwinden könnte. Hintergrund ist der Plan, eine Nord-Südverbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen dem Sapporobogen im Süden und dem DB-Nordring im Norden zu schaffen (Hallo berichtete). Dafür könnten sechs Parzellen weichen müssen.

Über die Planungen wird seit Jahren diskutiert: 2014 gab es einen runden Tisch, im Frühjahr 2017 einen Ortstermin. „Aber Informationen, wie es weiter geht, haben wir jetzt immer noch nicht“, beschwert sich Esther Luksch, die Vorsitzende der Kleingärtner. „Wir haben das Gefühl, dass uns niemand ernst nimmt.“ Im Juli 2017 beschloss der Bauausschuss des Stadtrates, dass ein Vergabeverfahren für die Planung durchgeführt wird. Ein Nutzungskonzept schlägt vor, den Weg über die östliche Brücke über die Triebstraße zu führen. Er soll vom Bahndamm aus über eine Rampe an die vorhandene Bahnunterführung unter dem DB-Nordring verlaufen. Doch: Sechs Gärten kämen weg.

Und das wäre nicht nur für die betroffenen Gärtner ein großer Verlust, sondern könnte auch Auswirkungen auf die gesamte Anlage mit 46 Parzellen haben, befürchtet Esther Luksch. „Die Wasserversorgung und der Stromanschluss an das Vereinsheim wären unterbrochen“, erklärt sie. Außerdem verweist sie auf den sozialen Aspekt: „Wir sind hier eine gewachsene Gemeinschaft. Das würde zerstört.“

Die Kleingärtner haben sich bereits an den Oberbürgermeister und die Stadt gewandt. Mehrmals haben sie Alternativrouten vorgeschlagen. Beim runden Tisch regten sie an, den Weg nicht über die Ost-, sondern über die Westbrücke zu planen. Hier wäre aufgrund eines Lärmschutzwalls jedoch keine direkte Anbindung an das Knorr-Gelände möglich. Alternativ kam deshalb die Idee auf, die Westbrücke als Fuß- und Radweg zu nutzen, und mit einem Tunnel eine Verbindung zum Knorr-Gelände zu schaffen.

Die Gärtner befürchten, dass diese Ideen im Sande verlaufen und sie auch keine Entschädigung bekommen: „Wo wollen sie uns denn Ersatzgärten anbieten, wenn alles zu betoniert wird?“, fragt Luksch. „Und wenn einmal der Anfang gemacht wird, ist die Gefahr groß, dass weitere Gärten für Bebauung weichen müssen.“

Die Stadt betont, dass noch nichts entschieden sei. „Sämtliche Varianten bedürfen noch einer vertieften Untersuchung durch ein Planungsbüro“, sagt Monika Großkopf vom Baureferat. Frühestens nach der Sommerpause könne mit Ergebnissen einer europaweiten Ausschreibung gerechnet werden. Dann muss der Bauausschuss über das Thema entscheiden. „Das wird voraussichtlich nicht vor Herbst 2019 der Fall sein“, kündigt Großkopf an. cla

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