Neues Supermarkt-Konzept gibt benachteiligten Jugendlichen eine Chance

Erst auf dem Abstellgleis – jetzt Azubi!

Die Mitarbeiter vom neuen ALMA-Supermarkt sind hoch motiviert und der Service ist erstklassig - So macht Einkaufen richtig Spaß.
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Die Mitarbeiter vom neuen ALMA-Supermarkt sind hoch motiviert und der Service ist erstklassig - So macht Einkaufen richtig Spaß.
Die Stammkunden Fridolin und Veronika Blattner freuen sich über den Lückenschluss in der Nahversorgung.
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Die Stammkunden Fridolin und Veronika Blattner freuen sich über den Lückenschluss in der Nahversorgung.
Die Mitarbeiter kennen ihr Sortiment genau und können so fast alle Kundenwünsche erfüllen.
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Die Mitarbeiter kennen ihr Sortiment genau und können so fast alle Kundenwünsche erfüllen.
Das Angebot ist mit 1500 Produkten sehr gut sortiert. Man findet bei ALMA alle Gegenstände für den täglichen Bedarf.
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Das Angebot ist mit 1500 Produkten sehr gut sortiert. Man findet bei ALMA alle Gegenstände für den täglichen Bedarf.
Azubi Mel Macareg berät einen Kunden.
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Azubi Mel Macareg berät einen Kunden.
Die junge Mutter und Auszubildende Özlem A. Oglou räumt Gemüse ein.
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Die junge Mutter und Auszubildende Özlem A. Oglou räumt Gemüse ein.
Sozial-Pädagogin Evelyn Hahn (li) und Marktleiterin Renate Hoffmann über das erfolgreiche Projekt.
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Sozial-Pädagogin Evelyn Hahn (li) und Marktleiterin Renate Hoffmann über das erfolgreiche Projekt.

Milbertshofen – Ob Schulabbrecher oder gesundheitliche Probleme: Die neuen Mitarbeiter bei ALMA haben alle ihr Päckchen zu tragen – vielleicht ist gerade deswegen der Service so grandios

Noch etwas Süßes soll es sein, am liebsten Geleebananen. Mit ruhigem Blick sucht Mel Macaraeg für seinen blinden Kunden in den Warenregalen. Geduldig hört er zu, sucht weitere gewünschte Artikel, vergleicht laut Preise und liest Zutatenlisten vor.

Im neuen ALMA-Supermarkt in der Ingolstädter Straße 107 nehmen sich die Auszubildenden Zeit für ihre Kundschaft. Vielleicht machen sie das gut, weil sie selbst genau wissen, dass manche Dinge nur mit Ausdauer zu erreichen sind: „Unsere Azubis sind benachteiligte Jugendliche, die nicht so gefördert worden sind und keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben“, erklärt Evelyn Hahn vom Euro-Trainings-Centre (ETC). Das ETC ist Träger des Supermarkts, dessen Namen die Abkürzung für „Ausbildungs-Lebensmittel-Markt“ ist. Schlechte Schulnoten, Schulabbrüche, Probleme im Elternhaus, mit der Gesundheit, Drogen, Kriminalität, oder die Flucht aus einem Land, sind meist die Gründe. Ali Darweshi kam vor acht Jahren aus Afghanistan nach München: „Die Schulzeit hier war schwer, ich habe meine erste Ausbildung abgebrochen, ich musste Geld verdienen“, erklärt der 22-Jährige. „Jetzt will ich sie zu Ende bringen – für mich ist das eine große Chance.“

Wie Ali landen viele nach langem vergeblichen Suchen im ETC. Özlem Amet Oglou ist 14, als sie die Schule abbricht. Mit 17 bringt sie ihre Tochter zur Welt: „Meine Tochter wird bald acht und ich will Vorbild sein. Das hier ist die einzige Möglichkeit eine Ausbildung in Teilzeit zu machen“, erzählt Özlem, während sie ihr Gemüse sortiert. Ihr Selbstbewusstsein sei mit der Ausbildung gestiegen: „Ilayda, meine Tochter, wollte unbedingt sehen, wo ich arbeite. Jetzt ist sie stolz und das macht mich glücklich“. Marktleiterin Renate Hoffmann freut das besonders: „Es ist uns gelungen Mütter mit Kleinkindern für die Ausbildung zu motivieren, sie haben jetzt eine Perspektive.“ Die Jugendlichen können hier Verkäufer oder Lagerist lernen. „Als Bildungsträger wollen wir für Bildungsgerechtigkeit sorgen“, betont Hahn. „Wir schauen nicht auf die Defizite, sondern auf das, was sie können“.

Es ist eine teure Maßnahme, die das Jobcenter und die Agentur für Arbeit finanzieren: „Aber 90 Prozent der ehemaligen Azubis arbeiten inzwischen in nicht gestützten normalen Arbeitsverhältnissen. Sie kosten den Steuerzahler keinen Cent mehr“, betont Hahn.

Ein offenbar erfolgreiches Projekt – es ist der zweite Supermarkt dieser Art, der Mitte Dezember in der Ingolstädter Straße eröffnet. Auf 230 Quadratmetern ist so ein Vollsortimenter mit rund 1500 Produkten entstanden. Mittlerweile kann der Laden erste Stammkunden verzeichnen. Veronika und Fridolin Blattner sind begeistert: „Endlich wieder ein Laden, ohne weite Wege, Zeit für einen Plausch und dazu das freundliche Personal“.

Wer bei ALMA abschließt, gilt als sehr zuverlässig, berichtet Evelyn Hahn: „Wir hatten welche, die sich weitergebildet haben, inzwischen studieren oder als Marktleiter arbeiten“. Ein Plan, den Azubi Kilian Fabian ebenfalls ins Auge gefasst hat: „Ich möchte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann anschließen, das Abitur nachholen und dann fachbezogen zu studieren.“ 

Manuela Praxl-Langer

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