Architektonische Leichenfledderei

Landesamt für Denkmalpflege besichtigt alte Gebäude in der Sailerstraße trotz laufenden Abrisses

Eigentümer, Denkmalpfleger, Politiker und Anwohner vor der Begehung der Häuser.
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Eigentümer, Denkmalpfleger, Politiker und Anwohner vor der Begehung der Häuser.
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Eigentümer, Denkmalpfleger, Politiker und Anwohner vor der Begehung der Häuser.

Milbertshofen: Kuriose Situation an der Sailerstraße. Wir haben die Infos & Bilder.

Es war ein bisschen wie im Zoo, bevor die Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege in die Sailerstraße kamen. Zwei Gruppen warteten, durch einen Zaun voneinander getrennt. Beide fühlten sich auf der Seite des Rechts und blickten ein ums andere Mal verstohlen zur anderen Seite hinüber. Als wären dort die Tiere – seltsam, interessant, aber auch irgendwie abstoßend. Wer dort stand? Auf der einen Seite Anwohner, Bürger und Politiker, die den Abriss der historischen Häuser in der Sailerstraße verhindern wollen, auf der anderen Seite drei Eigentümer, Anwälte und Architekten. Eine merkwürdige Situation.

Schnell will das Landesamt für Denkmalpflege nach der Begehung der Gebäude am Montag, 10 April, nun entscheiden, ob doch ein Fall von Denkmalschutz vorliegt. „Wir werden das bis zum Ende des Baustopps am 19. April schaffen, der Fall hat Priorität“, erklärte Direktor Mathias Pfeil, der sich selbst vor Ort ein Bild machte. Die hitzige Diskussion um die einst schönen Häuser kann er gut verstehen. „Die Frage ist sehr emotional. Aber unsere Aufgabe ist es, mit soliden Fakten zu arbeiten“, sagte er. Bei der Begehung hatten die Denkmalpfleger erstmals die Chance, die Häuser von innen zu inspizieren. Erst mit den Informationen, wie viel Altes tatsächlich noch existiert, lässt sich entscheiden, ob die Häuser geschützt sind.

Auf Unverständnis stieß das Vorgehen der Eigentümer in den vergangenen Tagen und Wochen. Trotz Baustopp gingen die Abbrucharbeiten weiter. Die Dächer wurden weitgehend abgedeckt und Fensterkästen entfernt, so dass die Bausubstanz bei Regen stark leidet. Nachbarn berichten davon, dass ein vollbeladener Container nur eine Stunde vor dem Ortstermin weggefahren wurde. „Hier sollen Fakten geschaffen werden, das ist architektonische Leichenfledderei“, erklärte der Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper. Er will den Fall anzeigen – und sprach von 50 000 Euro Bußgeld pro Hauseigentümer.

Auch die Lokalbaukommission wurde von Brannekämper nochmals scharf kritisiert. Die Behörde hatte vor Wochen erklärt, dass eine Begehung durch das Landesamt für Denkmalpflege nur mit Einverständnis der Eigentümer möglich sei. Eine Fehlinformation. Auch die Aussage, dass ein Abriss juristisch bedenkenlos jederzeit losgehen könne, erwies sich mittlerweile als Irrtum.

Marco Heinrich

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