Steuergeld-Verschwendung? Von der Olympiapark-Bewerbung und anderen Beispielen

Eine halbe Million Euro für nichts?

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Schützenswert: Seit 1996 ist der Olympiapark bereits zum Denkmalensemble ernannt.

Olympiapark – „Ernennt den Olympia­park zum Weltkulturerbe!“ – Das Problem: Eine Bewerbung ist mit hohen Kosten verbunden und es werden aktuell keine deutschen Anträge mehr angenommen – Geldverschwendung?

Seit Jahren wird gefordert: Ernennt den Olympia­park zum Weltkulturerbe! Deshalb hat der Stadtrat eben erst 500 000 Euro für eine offizielle Bewerbung bei der UNESCO freigegeben. Dabei steht längst fest: Es werden von Seiten der Berliner Kultusministerkonferenz (KMK) bis 2025 keine neuen Welterbe-Vorschläge mehr aufgenommen.

Bianca Preis vom Bayerischen Wissenschaftsministerium erklärt: „Es existieren bereits so viele deutsche Vorschläge in der sogenannten Tentativliste, dass keine weiteren Vorschläge angenommen werden. Stattdessen sollen die bereits gemeldeten abgearbeitet werden.“

Dennoch gibt es Unterstützer des Vorhabens: Marion Schöne, Geschäftsführerin des Olympia­parks, würde es freuen, wenn die UNESCO die Bedeutung des Parks bestätigen würde: „Er ist eine der am besten genutzten nacholympischen Veranstaltungsstätten, erfüllt in seiner Gesamtheit die Bedingungen für eine Ernennung zum Weltkultur­erbe – als sogenanntes ‚living heritage’ –, muss aber bespielbar bleiben. Die Stadionsanierung 2022 bis 2026 dient deshalb in erster Linie technischen und Brandschutzmaßnahmen.“

Heide Riehl, Planungssprecherin (SPD), erklärt die Freigabe der Gelder vom Stadtrat: „Der Stopp der Tentativliste ist bekannt. Aber wir wissen nicht, was in fünf Jahren kommt, wollen für eine Bewerbung vorbereitet sein.“ Auch Johannes Mayer vom Kreisverwaltungsreferat beschwichtigt: „Es war Stadtratsbeschluss, dass der Park Weltkulturerbe werden soll. Das benötigt Jahre an Vorarbeit. Hat die Bewerbung doch keinen Sinn, werden die Zahlungen gestoppt.“ Konkretes Beispiel: Stoppt man die Zahlungen nach zwei Jahren, sind 190 000 Euro ausgegeben – unter anderem für eine Arbeitsstelle und Gutachten.

Bianca Preis macht den Münchnern wenig Hoffnung: „Ob die Tentativliste je wieder geöffnet wird, oder ab 2025 ein ganz neues Bewerbungsverfahren ins Leben gerufen wird, steht nicht fest.“ Zudem wurde im Februar 2018 vom UNESCO-Welterbezentrum beschlossen, dass jeder Vertragsstaat nur noch eine einzige Nominierung pro Jahr einreichen darf. Dieses Jahr ist die Nominierung für Deutschland schon erfolgt.

Marie-Julie Hlawica

Diese deutschen Anträge liegen schon bei der UNESCO

Die Kultusministerkonferenz, KMK Berlin, führt die Tentativliste, die Grundlage für deutsche Nominierungen ist. Zur Nominierung stehen an: Das Augsburger Wassermanagement-System, die Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt, die Städte Speyer, Worms und Mainz, die Alte Synagoge in Erfurt, alpine und voralpine historische Kulturlandschaften im Werdenfelser Land, die Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee des Bayerischen Königs Ludwigs II. sowie das Residenzensemble Schwerin.

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