Landratswahl 2014 im Landkreis München:Kein SPD-Kandidat in Sicht 

Kandidat gesucht

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Wer weiß, vielleicht hätte der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Perter Paul Gantzer (re.) Landrätin Johanna Rumschöttel (li.) zum Weitermachen bewegen können, wenn seine Klage zur Aufhebung der altersgrenze Erfolg gehabt hätte? Wenn!

Nachdem die amtierende Münchner Landrätin Johanna Rumschöttel für eine neuerliche Kandidatur 2014 nicht mehr in Frage kommt, läuft bei der Kreis-SPD die Suche nach einem Kandidaten auf Hochtouren.

In einem Jahr wird der Landrat im Landkreis München neu gewählt, mit Gräfelfings Bürgermeister Christoph Göbel hat die Kreis-CSU bereits ihren Kandidaten in Stellung gebracht. Allmählich müssten die Sozialdemokraten nachziehen, denn die amtierenden Landrätin Johanna Rumschöttel, die seit 2008 auf dem Chefsessel im Münchner Landratsamt sitzt, wird nicht mehr antreten. Zum einen kann sie aufgrund gesetzlicher Hürden nicht mehr, nachdem die vom SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Peter Paul Gantzer aus Haar angestrengte Popularklage zur Aufhebung der Altersgrenze für Kommunalbeamte beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gescheitert ist. Damit dürfen sich Landräte und hauptberufliche Bürgermeister, die zum Zeitpunkt der Wahl das 65. Lebensjahr erreicht haben, nicht mehr aufstellen lassen. Rumschöttel hat aber ohnehin nicht mehr vor, zu kandidieren – aus persönlichen Gründen, wie sie sagt. Hartnäckigen Überzeugungsversuchen Gantzers erteilte sie kürzlich eine Absage.

Wer soll sich also dem derzeitigen Stellvertretenden Landrat Christoph Göbel, dem beste Chancen attestiert werden, in den Weg stellen? Die SPD schweigt sich darüber aus. Man habe jedoch eine „hervorragende Person“ ins Visier genommen, so Gantzer. „Ich will nur so viel zu dieser Person sagen, dass sie aus dem Landkreis ist und dort wohnt.“ Sollte er oder sie ablehnen, sei man deswegen aber keineswegs in Verlegenheit: „Wir haben noch mehrere andere im Köcher.“ Noch im Winter, meint Gantzer, werde die Kandidatenfrage der SPD geklärt sein. Auch der Sprecher der SPD-Fraktion im Kreistag, Dietrich Heyne, gibt sich zuversichtlich, bald einen Kandidaten gefunden zu haben. Den Zeitrahmen will er jedoch nicht so eng stecken: „Vor der Sommerpause werden wir ihn präsentieren“, sagt Heyne. Etwas pessimistischer klingt diesbezüglich Unterhachings Alt-Bürgermeister Erwin Knapek: „Bis jetzt hat sich noch niemand laut gemeldet – weil sich alle darauf verlassen haben, dass es Frau Rumschöttel machen wird“, so der 70-Jährige. Jetzt bestehe Handlungsbedarf: „Die Zeit drängt.“ 

Durchaus 

geeignete Kandidaten

Eigentlich mangelt es im Landkreis München keineswegs an erfolgreichen SPD-Politikern – und damit potentiellen Landratskandidaten, die allerdings derzeit fast durch die Bank abwinken. Da wäre beispielsweise Franz Schwarz aus Unterföhring, seit 2002 Rathauschef einer Gemeinde, die  nach Grünwald zu den wohlhabendsten im Landkreis gehört. Doch der 60-jährige gebürtige Niederbayer winkt ab: „Für mich steht schon lange fest, dass ich für das Amt nicht zur Verfügung stehe.“ Er fühle sich als Bürgermeister bestens ausgelastet und liebe seinen Job, sagt er humorvoll. Wohl nicht der einzige Grund, denn für Schwarz geht es um viel. Sollte er gegen Göbel scheitern, hätte er beides verwirkt: den Chefposten im Landratsamt und das Bürgermeisteramt in Unterföhring, da er nicht für Beides gleichzeitig kandidieren darf. 

Der studierte Diplom-Verwaltungsfachwirt dürfte nur zu gut wissen, dass die SPD im Landkreis München einen schweren Stand hat: So galt es bei der letzten Wahl 2008 als weitgehend sicher, dass der damalige Landrat Heiner Janik (CSU) das Rennen machen würde. Doch dem unterliefen zuletzt schwere Fehler: Er zeigte sich immer weniger bürgernah und verzettelte sich in juristischen Kleinkriegen, die er als persönlichen Erfolg verkaufte. Im Wahlkampf interessierte das niemanden. Umso mehr fiel auf, dass sein Gesicht in den Bürgerversammlungen kaum noch zu sehen war. Die Quittung erhielt er am Wahltag: Tausende Stimmen schwappten auf die Gegenseite – und die SPD-Kandidatin, die Neubiberger Bürgermeisterin Johanna Rumschöttel, gewann überraschend die Landratswahl.

„Traditions-Bonus“

für Göbel

Franz Schwarz, der für viele Wähler im Landkreis quasi aus dem Nichts käme, könnte mit so einem Glücksfall nicht rechnen: Die kommunalpolitische Weste Göbels weist bislang keinerlei Flecken auf. Zudem kann der 42-jährige Gräfelfinger vermutlich von der Wählertradition im Landkreis profitieren: In der 65-jährigen Nachkriegsgeschichte gab es bis auf Rumschöttel nur CSU-Landräte. Schwarz hingegen, der von der SPD erst aufgebaut werden müsste, würde sich bei einer Kandidatur auf Messers Schneide bewegen. Der Unterföhringer betont ohnehin, dass er nicht wolle. Grund: Da er bereits 60 ist, könne er im Falle seiner Wahl ohnehin nur sechs Jahre Landrat sein. Dafür die Beschwernisse auf sich zu nehmen und eine mögliche Pleite zu riskieren, sei zu gefährlich – und die Sache nicht wert: „Ich bleibe bis auf weiteres Bürgermeister von Unterföhring“, witzelt er. 

Das gilt auch für seinen Haarer Amtskollegen Helmut Dworzak, der seit über 20 Jahren als erster Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Haar lenkt. Auch der 62-jährige könnte lediglich eine Amtsperiode antreten. 

Ein möglicher Kandidat, der noch dazu im Erfolgsfall zwei Legislaturperioden im Amt bleiben könnte wäre Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier (56), dem allerdings der Erfolg im Weg steht: Erst im März vergangenen Jahres war er mit einer fulminanten Quote von 70,2 Prozent wiedergewählt worden. Diesen Trumpf will er nicht verspielen – schon der Loyalität willen, wie der gebürtige Straubinger gegenüber HALLO betont: „Die Bürger würden es nicht mit Freude aufnehmen, wenn ich erst mit breiter Mehrheit gewählt werde und dann sage: ,Tschüß, das war’s dann’.“ Allerdings sympathisiere er durchaus mit dem Amt des Landrats, räumt Klostermeier ein.

Amtsbonus für

amtierende Bürgermeister

Rückendeckung bekämen sie alle vom Stellvertretenden Ortsvorsitzenden der SPD Kirchheim, Ewald Matejka. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens und studierte Betriebswirt ermuntert Dworzak, Schwarz und Klostermeier geradezu, den Sturm nach vorne zu wagen. Grund: Amtierende Bürgermeister hätten die besten Chancen, es an die Spitze des Landkreises zu schaffen. „Aktive Rathauschefs, die die Probleme in ihrer Gemeinde genau kennen, sind die geborenen Landräte“, so Matejka. Er führt das Beispiel von Michael Adam an: Dem damals 27-jährigen SPD-Mann aus Niederbayern schenkte 2011 eine breite Mehrheit der Bevölkerung des Landkreises Regen ihr Vertrauen. „Und das, obwohl er schwul, links und evangelisch ist“, wie Matejka anmerkt. Zuvor war Adam Gemeindeoberhaupt in einem 3400-Seelen-Dorf in Niederbayern. „Nur wenn Bürgermeister antreten, ist der Erfolg garantiert“, lautet Matejkas Fazit. Rafael Sala

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