Klotzen statt kleckern

Der Kreistag hält am Votum für den Bau von je einem Gymnasium in Unterföhring und Ismaning fest: Nahezu alle 70 Mandatsträger teilten die Ansicht, dass infolge der zu erwartenden Schülerzahlen im nördlichen Landkreis zwei neue Gymnasien notwendig seien. Das Bayerische Kultusministerium indes sieht dafür keine Notwendigkeit gegeben. Zuletzt hatte es von den Kreisräten verlangt, sich entweder für Ismaning oder für Unterföhring zu entscheiden.

Die Kreistagsfraktionen haben in der jüngsten öffentlichen Sitzung im Ismaninger Bürgersaal beinahe einstimmig ihre Forderungen nach je einem Gymnasium in Unterföhring und Ismaning bekräftigt. Sie setzten sich damit erneut über die Bedenken des Bayerischen Kultusministeriums hinweg, das einen Bedarf für zwei weitere weiterführende Schulen im nördlichen Landkreis nicht gegeben hält. „Ich bitte um Zustimmung, wenn es um mehr Bildung geht!“, brachte Kreisrat und Landtagsabgeordneter Tobias Thalhammer (FDP) die Position seiner Partei auf den Punkt. Auch die Grünen befürworteten die Projekte, äußerten sich aber skeptisch, dass es gelingen werde, das Kultusministerium umzustimmen. Die Gymnasien seien „grundsätzlich okay“, sagte Christoph Nadler, „die Aufforderung wird aber nichts bewirken“. Ernst Weidenbusch (CSU) hält die ablehnende Haltung der Behörde für „nicht nachvollziehbar“. Sowohl in Unterföhring als auch in Ismaning würden Gymnasien benötigt: „Das Kultusministerium kann sich nicht dagegen stellen.“ Der ödp hingegen würde es angesichts der festgefahrenen Situation und der ergebnislosen Verhandlungen bereits reichen, wenn eine der beiden Schulen gebaut wird. Wenn die Behörde zwei Gymnasien „nicht für nötig“ hielten, „dann sollten wir mit dem Eiertanz aufhören und uns auf eines einigen“, sagte Bernd Knatz, der als Einziger gegen das ansonsten einhellige Votum des 70-köpfigen Gremiums stimmte. Weitblick im Südosten Ein starkes Signal für beide Schulen kam auch von Landrätin Johanna Rumschöttel. Beim Richtfest des neuen Gymnasiums in Höhenkirchen-Siegertsbrunn tags drauf betonte die SPD-Politikerin, dass es eine verheerende Situation für die Bildungslandschaft im Landkreis wäre, sollten die Projekte in Unterföhring und Ismaning nicht realisiert werden: „Was hätten wir für eine Katastrophe, wenn wir nicht dieses neue Gymnasium in Höhenkirchen in Angriff genommen hätten“, betonte sie im Hinblick auf die anstehenden Generalsanierungen der Gymnasien in Neubiberg und Ottobrunn. Mit je rund 1500 Schülern platzen die beiden technisch veralteten und erhebliche Baumängel aufweisenden Einrichtungen derzeit aus allen Nähten. Deswegen sollen die Schüler während der Bauphase 2011 bis 2015 ins neue Gymnasium in Höhenkirchen-Siegertsbrunn verlegt werden, das voraussichtlich zum Schuljahr 2011/2012 in Betrieb geht. Rumschöttel sprach bei dem Projekt in der südöstlichen Landkreis-Gemeinde von einer „Weitsicht“, die auch dem Norden gut täte. Zuletzt hatten auch die Gemeinderatsmitglieder von Unterföhring den Bau eines eigenen Gymnasiums befürwortet (HALLO berichtete). Gegenüber Ismaning sieht man sich dort wesentlich besser positioniert. So hatte Bürgermeister Franz Schwarz (SPD) unter anderem auf den Standortvorteil seiner Gemeinde verwiesen: „Ein neuer Standort darf einen bestehenden nicht bedrohen“, sagte er mit Blick auf das näher bei Ismaning gelegene Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching. Rafael Sala

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