Griechisches Dorf in Freimann

400 Menschen aus dem 2000-Seelen-Ort Petrousa leben im Münchner Norden

Petrousa ist ein kleines Dorf bei Drama, Drama liegt bei Kavalla, Kavalla liegt bei Saloniki. So erklärt Dimitra Papadopolou Münchnern ihren Heimatort. Den griechischen Bewohnern Münchens muss sie Petrousa nicht erklären – im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst dorther stammen oder einen Petrousaner vor Ort kennen, ist groß. 400 Griechen aus der 2000-Einwohner-Gemeinde Petrousa leben in München, die meisten davon in Freimann. Wie es dazu kam? 1959 ging der erste Petrousaner nach München, um dort als Gastarbeiter Geld zu verdienen. Er fand Arbeit und Unterkunft in Freimann. „Das zog einen Rattenschwanz hinter sich her, immer mehr aus Petrousa kamen nach, denn sie wussten, hier kannten sie jemanden, der ihnen mit der Sprache und mit dem Einleben helfen kann“, erinnert sich Georgius. „Keine Gemeinde ist so aktiv und so vernetzt in München wie Petrousa“, erklärt Nicos Volaklis, ehemaliger Vorstand des Petrousa-Vereins. Der Verein mit Sitz im Burmester-Freizeitheim organisiert Sommerfeste, Osterfeste, Weihnachtsfeste in griechischer Tradition. An Heiligabend und Neujahrstag gehen Jugendliche zu den Petrousanern singen Kalanta, griechische Weihnachtslieder, und sammeln Geld für den Verein. „Wir wollen unsere Sitten und Bräuche, unsere Tänze, unsere Tracht aufrechterhalten, an unsere Kinder weitergeben“, so Volaklis. Doch neben einem eigenen Verein haben die Petrousaner auch noch einen Stammtisch. Jeden Freitag abend treffen sie sich in der „Taverna Mykonos“. Und bis jetzt hatten die Petrousaner und Freunde ihren eigenen Fußballverein, „Doxa München“, mit Sitz beim SC Freimann. „Aber dieses Jahr mussten wir ihn auflösen“, bedauert Dimitri, „es kommt kein Nachwuchs mehr.“ Denn das griechische Dorf beginnt zu bröckeln: Zeitweise lebten bis zu 800 Petrousaner in Freimann, jetzt sind es nur noch die Hälfte. „Viele Alten sind zurück nach Griechenland – die meisten, die hier leben, haben ein halbfertiges Haus in Petrousa und planen, die Rente dort zu verbringen“, erklärt Dimitra, „aber in Petrousa haben sie dann Heimweh nach Freimann und besuchen uns.“ Allerdings ist der erste Rentner bereits in das Seniorenwohnheim am Kieferngarten gezogen. Aber auch dort muss er auf seine Heimat nicht verzichten. Chrisanthi aus Petrousa arbeitet dort als Pflegerin und Maria aus Petrousa und ihre Töchter Daphne und Lia leiten dort die Caféteria „Café Kieferngarten“. Ihr Bruder Theo führt seit 1993 den Lebensmittelladen um die Ecke. Schneiderin Angelika hat ihren Laden zwar in Schwabing, lebt aber in der Burmesterstraße. Angelikas Sohn Stavros steht für die nächste Generation. Er ist in Freimann geboren, aufgewachsen, absolvierte seine Ausbildung bei der ortsansässigen Firma Trunk, wo er seit 16 Jahren arbeitet. „Ich habe kein halbfertiges Haus in Petrousa, sondern eine Eigentumswohnung in Freimann“, betont Stavros, „meine Zukunft ist hier.“

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