Fremdenhass im MVG-Bus

Fahrer beschimpft Migranten als »Schmarotzer«

München Unglaubliche Szenen im MVG-Bus: Anna Petrova (31) und ihre Freundin Bianca Zakari (32) können immer noch kaum fassen, was sie dort erlebt haben. Als die beiden Mütter mit ihren Kindern per Bus in den Euro-Industriepark fahren wollten, wurden sie Zeugen rassistischer Beschimpfungen durch den Fahrer und eines Ehepaars – und wurden selbst auch noch zu Opfern. „Schon als wir am Frauenmantelanger eingestiegen sind, hat der Fahrer mit einem dunkelhäutigen Mann lauthals gestritten“, erinnert sich Anna Petrova. Um was es ging, konnten die diplomierte Theologin und ihre Freundin, die als Kinderkrankenschwester im Herzzentrum arbeitet, nicht verstehen. Deutlich sind ihnen aber die Schimpfworte des Fahrers in Erinnerung geblieben: „Schmarotzer“, „dunkelhäutiger Drogendealer“, „Neger“ soll der Mann geschrien haben, während er wild fuchtelnd immer wieder vom Lenkrad aufgesprungen sei. Als sich Anna Petrova zufolge auch noch ein älteres Ehepaar eingemischt hat, das ähnlich derbe Schimpfworte gebrauchte, platzte den Müttern der Kragen und sie baten darum, keine rassistischen Bemerkungen mehr zu äußern – schließlich waren auch ihre Kinder im Alter von vier und drei Jahren sowie neun Monaten im Bus; die Kinder haben afrikanische Väter. „Unsere Kinder wurden als Bastarde beschimpft“, erinnert sich Bianca Zakari. Doch nicht nur das: „Der Busfahrer schrie, dass er sein Leben lang gearbeitet hat und wir Schmarotzer sind. Aber unsere Männer sind in Vollzeitbeschäftigung, Bianca auch, und ich schreibe gerade Doktorarbeit“, erklärt Anna Petrova, die ebenso wie ihre Freundin seit vielen Jahren in München lebt – und das eigentlich gern: „Wir hätten nie geglaubt, dass so etwas in München passiert“, merkt Bianca Zakari an. Der Vorfall schlägt auch bei der MVG hohe Wellen. Der Busfahrer, der für einen privaten Kooperationspartner arbeitet, ist laut MVG-Sprecherin Bettina Hess gesperrt worden. Er bestätigt den Vorfall, bestreitet aber die ihm zur Last gelegte Wortwahl. „Die weitere Klärung des Vorfalls obliegt jetzt dem Partnerunternehmen“, erklärt Bettina Hess. Tanja Bitterer

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