Neues Ankunftszentrum

Einbahnstraße für Flüchtlinge

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FREIMANN Erste Asylsuchende sind da: Ankunftszentrum an der Maria-Probst-Straße nimmt Betrieb auf – Regierungspräsident Christoph Hillenbrand erklärt den Ablauf und führt durch die Räume

Regierungspräsident Christoph Hillenbrand informiert über die einzelnen Stationen des neuen Ankunftszentrums.

8540 Flüchtlinge zählten die Münchner Erstaufnahmeeinrichtungen im Juni 2015. Zum Vergleich: Zwei Jahrezuvor waren es noch weniger als 1000. Um die Abwicklung dieser Menschenmassen stressfreier, effektiver und schneller zu gestalten, hat nun ein neues Ankunftszentrum an der Maria-Probst-Straße im Euro-Industriepark eröffnet: „Damit die Menschen möglichst schnell dorthin kommen, wo ihr Asylverfahren geführt wird“, sagt Regierungspräsident Christoph Hillenbrand.

Das Besondere an der Einrichtung ist das Einbahnstraßensystem. Baulich ist die Anlage so konzipiert, dass die Hilfesuchenden in nur einer Richtung von einem Bearbeitungsschritt zum nächsten kommen (unten). Ein Farbleitsystem unterstützt sie dabei. Auf diese Weise teilen sich die Flüchtlinge auf die einzelnen Stationen auf, sind in kleineren Gruppen. Das macht den gesamten Prozess stressfreier – für Asylsuchende und Mitarbeiter.

Bisher fanden diese Schritte im Ankunftszentrum an der Baierbrunner Straße statt. „Das hatte allerdings nur ein Sechstel der Fläche“, betont Hillenbrand. Nun gibt es mehr Platz und mehr Mitarbeiter. Statt 150 bis 200 Flüchtlinge sollen jetzt durchschnittlich 350 Menschen pro Tag registriert werden können.

Der erste Weg führt neuankommende Flüchtlinge jetzt ins Ankunftszentrum im Euro-Industriepark.

Fertig ist das Ankunftszentrum an der Maria-Probst-Straße allerdings noch nicht. Die gespendetenContainer, die zuvor als Büros genutzt wurden, sowie die winterfesten Leichtbauhallen waren nur als schnelle Lösung gedacht. Sonst hätten drei Monate Bauzeit nicht ausgereicht. „Diese Übergangslösung soll dann im Laufe der nächsten zwei Jahre auf dem östlich gelegenen Teil desselben Grundstücks durch einen noch zu errichtenden dauerhaften Bau ersetzt werden“, heißt es in einem Info-Schreiben der Regierung von Oberbayern.

Gebaut wird auch auf dem jetzt freien Areal in Obersendling: „Im Herbst beginnt die Renovierung“, sagt der Regierungspräsident. „Das Endziel heißt: Gemeinschaftsunterkunft.“

Das neue Ankunftszentrum ist nur nur eins von vielen Projekten der Regierung, um den Flüchtlingen gerecht zu werden. Und dass das immer schwerer wird, zeigte sich Montagmorgen aufs Neue: In 24 Stunden kamen 629 neue Asylsuchende nach München. So viele wie noch nie. Der Menschenstrom reißt nicht ab. Aber zumindest werden die Abläufe effektiver. Maren Dopp

EASY-System

Das EASY-System (Erstverteilung von Asylbegehrenden) ist eine IT-Anwendung zur Erstverteilung der Asylsuchenden auf die Bundesländer. Entscheidend sind Herkunftsland und Quote. Bei 20 Ländern ist allerdings von vornherein klar, dass die Flüchtlinge in München bleiben. Die Landeshauptstadt ist quasi spezialisiert auf diese Nationen, darunter Tansania und St. Lucia. Andere Großstädte haben andere Spezial-Länder.

So läuft es im Ankunftszentrum ab

Ankunftshalle: Zunächst müssen die Ankömmlinge eine Selbstauskunft ausfüllen. Weil es dafür keineDolmetscher gibt, sind die Formulare in 27 Sprachen erhältlich. Ist das Papier ausgefüllt, müssen die Asylsuchenden warten. Dabei können sie essen und trinken.

Medizinisches Erstscreening: Haben die Flüchtlinge akute Beschwerden?Ob Zahnschmerzen oder eine Schwangere, deren Kind auf die Welt will. Ein Team aus erfahrenen Notärzten schätzt den Gesundheitszustand ein, hilft selbst oder vermittelt weiter.

Fotobereich: Hier beginnt die eigentliche Aufnahme. Gibt es keine akutenKrankheiten, werden die Asylsuchenden fotografiert – biometrisch, vor einem blauen Hintergrund. Das Bild soll helfen, die Flüchtlinge und ihre Daten später sicher einander zuordnen zu können.

Counter: In einem der zwölf kleinen Büros bekommen die Flüchtlinge ihrerstes deutsches Papier ausgestellt. Es berechtigt sie, sich in Deutschland aufzuhalten, bis ihr Asylantrag gestellt ist. Wo der Verfahrensort ist, wird den Flüchtlingen im nächsten Schritt mitgeteilt.

Verteilung: Quote und Herkunftsland sind entscheidend beim sogenanntenVerteilungssystem nach „EASY“ (oben). Bleiben die Flüchtlinge in München und Umland, werden sie in ihre neuen Unterkünfte gebracht. Geht es weiter weg, bekommen sie Zugtickets.

Bettenhaus: Entscheidet sich erst nach 21 Uhr, wohin die Asylsuchendenmüssen, können sie über Nacht im Bettenhaus bleiben. 600 Schlafgelegenheiten bietet das ehemalige Bürogebäude an der Lotte-Branz-Straße. Es ist fußläufig vom Ankunftszentrum erreichbar.

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