Gehen Münchens Schwimmer baden?

Kaum Trainingsmöglichkeiten: Sportler hoffen auf Bad in der Bayernkaserne

Steht der Münchner Schwimmsport vor dem Aus? Ohne Trainingsmöglichkeiten hoffen die Sportler auf einen Platz im Bad der Bayernkaserne.
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Steht der Münchner Schwimmsport vor dem Aus? Ohne Trainingsmöglichkeiten hoffen die Sportler auf einen Platz im Bad der Bayernkaserne.

Freimann: Marius Kusch ist der einzige Münchner bei der anstehenden Schwimm-WM. Eine traurige Entwicklung, findet Funktionär Andreas Füchsl. Er glaubt sogar, dass der komplette Münchner Leistungssport im Wasser vor dem Aus steht, wenn nicht schnell mehr Trainingsmöglichkeiten geschaffen werden.

Der Vorstand der SG Stadtwerke München, Andreas Füchsl, macht sich Sorgen um die Plätze für den Münchner Profi-Schwimmsport.

Dass Platz im Wasser knapp ist, weiß jeder, der gerade Abkühlung in den Bädern der Stadt sucht. Für die rund 60 Münchner, die Schwimmen als Leistungssport betreiben, ist die Lage noch ein bisschen dramatischer, weiß Andreas Füchsl (kl. Foto), Vorstand der SG Stadtwerke München: „Wir haben ein Infrastrukturproblem. Vor 20 Jahren konnten wir das Olympia- und das Dantebad noch abends fast ausschließlich für uns alleine nutzen. Wir brauchen zusätzliche Wasserflächen, sonst kommt das Ende des Leistungssports.“ Gehen Münchens Schwimmer baden? 

Anzeichen dafür gibt es bereits: Bei der Schwimm-WM in Budapest (ab 14. Juli) ist mit Marius Kusch nur ein Münchner dabei – der bezeichnenderweise gerade in den USA studiert und trainiert. Außerdem haben die Wasserspringer während der Sanierung des Olympiabads keine Ausweichmöglichkeiten. Und die Wasserballer, die im Giesinger Anton-Fingerle-Bad antreten, verzichteten freiwillig auf die Chance, in die erste Liga aufzusteigen. „Da kommen Mannschaften aus Kleinstädten her und sagen: ‚Jetzt müssen wir wieder in der Münchner Badewanne spielen. Manchmal schämt man sich da schon für die eigene Stadt“, erzählt Füchsl.

Zwei Projekte machen Hoffnung: Im Raumprogramm für den Schulcampus Bayernkaserne-Süd ist ein Schwimmbad mit einem 50-Meter-Becken vorgesehen, das in zwei 25-Meter-Becken geteilt werden kann. Und in Unterföhring soll ebenfalls ein öffentliches Schwimmbad gebaut werden, allerdings nur mit sechs 25-Meter-Bahnen. Groß genug, um schwimmen zu lernen, aber zu klein für den Leistungssport. „Ich will keine Paläste, sondern funktionale Gebäude. Andere Großstädte wie Hamburg oder Berlin, aber auch Hannover oder Stuttgart sind da weitaus besser aufgestellt“, erklärt Füchsl.

Insgesamt bewerten die Stadtwerke diese Einschätzung anders, auch wenn es ihnen vor allem um den Freizeit- und Breitensport geht. „Im Vergleich zu anderen Städten gibt es in München viele öffentlichen Bäder mit deutlich längeren Öffnungszeiten und kürzeren Revisionszeiten“, sagt Sprecher Christian Miehling. Er widerspricht nicht, dass die Nachfrage für mehr Bäder auf allen Ebenen durchaus vorhanden wäre. Doch sie wären selbst bei voller Auslastung defizitär. „Jeder Bad-Eintritt müsste ungefähr das Dreifache kosten, damit die Bäder kostendeckend arbeiten können“, erklärt Miehling. Nach zwei Olympischen Spielen in Folge ohne deutsche Schwimm-Medaille ist der Wille zu einer solchen Investition begrenzt.

Marco Heinrich

Große Sanierungen: Cosima- und Olympiabad

Ende Juli soll das Cosimabad nach dreijähriger Sanierung pünktlich vor den Sommerferien wieder eröffnen.

Olympiabad vor zweiter Bauphase: Halbzeit beim umfangreichen Umbau des Olympiabades. 

Mit rund einem Monat Verspätung werden nun noch die Fassade, das große Schwimmbecken, die Umkleiden sowie die Sanitär-Rondelle saniert. Vor allem für die Turmspringer sind die Arbeiten ein Problem, da es in München keine Ausweichmöglichkeiten für ihr Training gibt. Sonst sind die Maßnahmen so aufeinander abgestimmt, dass das Olympiabad nie vollständig schließt. Alles, was in der ersten Bauphase bereits modernisiert wurde (zum Beispiel die Becken unter der Tribüne), ist jetzt bereits nutzbar. Am Ende soll das Bad technisch modernisiert, aber optisch wieder im Originalzustand erstrahlen. Etwa ein Jahr werden sich die Arbeiten noch hinziehen.

Es ist Halbzeit beim großen Umbau des Olympiabads.

Cosimabad eröffnet wieder Ende Juli: Nach mehr als drei Jahren Sanierung sind die Arbeiten am Cosimabad endlich kurz vor dem Abschluss. 

Erst waren die Schäden schwerwiegender als angenommen, dann ging bei Abbrucharbeiten auch noch ungewollt das Saunadach kaputt. Regen- und Frostschäden waren die Folge – alles wurde langwieriger und teurer. Am Ende werden die Arbeiten mehr als zwölf Millionen Euro kosten. Dafür steht den Münchner bald endlich wieder das einzige Wellenbad der Stadt zur Verfügung. Künftig können sogar verschiedene Wellenbilder erzeugt werden. Und die neue Stahlbeton-Akustikdecke sorgt mit ihren Lichtelementen für eine schöne Atmosphäre. Neu ist außerdem der riesige Indoor-Kinderplantschbereich auf 120 Quadratmetern.

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