Fröttmaning: Siedlung unter Wasser

Wasser-Schaden in der gesamten Auensiedlung: Im Keller von Frank Wegerhoff standen die Fluten 70 Zentimeter hoch – jetzt pumpt der 45-Jährige stündlich über 40 Kubikmeter aus seinem Haus. Fotos: Bitterer/kn

60 Keller überschwemmt – Ursache für stark angestiegenen Grundwasserpegel unklar Fröttmaning

Die Auensiedlung im Münchner Norden ist ein Idyll: Viel Grün und Ruhe, schnuckelige Häuschen, ein kleiner Baggersee vor den Haustüren. Doch für die Bewohner hat sich das Paradies seit einer Woche in die reinste Hölle verwandelt – mehr als 60 Keller sind vollgelaufen, weil das Grundwasser massiv angestiegen ist. Ursache: unklar. Eine ganze Siedlung säuft ab. Das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr, das Wasserwirtschaftsamt, das städtische Umweltreferat – zahlreiche Experten versuchen seit Tagen herauszufinden, was die Überschwemmungen auslöst. Vermutet wird, dass Eisbarrieren im Boden schuld sind. „Sie stauen das Grundwasser“, heißt es aus dem Wasserwirtschaftsamt. Doch es gab auch andere Theorien: Dass das nahe gelegene Klärwerk mehr Wasser in den Schleißheimer Kanal pumpe, konnte aufgrund von Proben ausgeschlossen werden. Auch von Bibern gefällte Bäume, die den Wasserfluss in den umliegenden Bächen staute, sind bereits entfernt worden – bleibt noch der Baggersee. Anwohnerin Elisabeth Schleifer vermutet: „Der See hat mit unserem Problem etwas zu tun.“ Weil das anfangs auch die Experten dachten, wurde der Baggersee abgepumpt – als die Fundamente der Häuser drohten, abzusinken, wurde diese Maßnahme aber wieder gestoppt. „Sie brachte zwischenzeitlich Entlastung“, sagt Siedlungs-Vorsitzender Wolfgang Völkner. Mittlerweile hat der See einen Pegelstand von über einem Meter über Normalstand erreicht. Während die Experten nun damit rechnen, dass wärmere Temperaturen die Eisbarrieren im Boden brechen und somit das Problem lösen, haben die Anwohner einfach nur noch Angst: „Wenn jetzt auch noch Schmelzwasser kommt, saufen wir ganz ab“, sagt Elisabeth Schleifer. Jede Stunde stehe sie nachts auf und schaue nach, ob alle vier Pumpen noch in Gang sind. Noch einmal fast knietief im ausgebauten Keller im Wasser stehen – für die 62-Jährige eine Horrorvorstellung. „Wir wollen doch in zwei Wochen in Urlaub. Wie soll das gehen, wenn hier daheim Chaos ist“, fragt sie verzweifelt. Bei Nachbarin Ariane Hagl liegen die Nerven ebenso blank. Die 48-Jährige hat zusammen mit ihrem Mann nachts um drei versucht, ihr Atelier zu retten – jetzt verhindern Pumpen der Feuerwehr und privat dazugekaufte, dass das Wasser wieder ins Haus kommt. Damit die Familie, die ganz frisch in der Siedlung gebaut hat, ein bisschen zur Ruhe kommt, hält ein Bekannter Nachtwache. An Schlaf ist auch für Frank Wegerhoff nicht zu denken. Bei ihm stand das Wasser 70 Zentimeter im Keller, alles schwamm. Für über 800 Euro hat der Münchner Pumpen gekauft, befördert jetzt stündlich über 40 Kubikmeter Wasser aus seinem Haus. Er ärgert sich, dass die Informationspolitik mangelhaft sei: „Wir erfahren Neuigkeiten eigentlich nur aus der Zeitung – und informieren uns untereinander.“ Die Gemeinschaft in der Auensiedlung, zumindest die funktioniert: „Jeder hilft jedem“, sagt Ursula Wachter. Die 87-Jährige lebt seit 1960 in „meinem kleinen Paradies“. Dass ausgerechnet hier, an so einem idyllischen Fleckchen, so ein Unglück geschehen musste – für Ursula Wachter unverständlich: „So ein Problem hatten wir noch nie“, sagt sie. Tanja Bitterer

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