Zehn Tonnen Kampfmittel werden entsorgt – die Folgen für Nachbarn und Grundstückseigentümer

Bombenfund in Freimann: Gravierende Folgen für Nachbarn

Keinen Schritt weiter. Rudolf Mende vor der Absperrung, die quer durch seinen Garten geht. Aus seinem Fenster hätte er einen freien Blick auf die Arbeiten
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Keinen Schritt weiter. Rudolf Mende vor der Absperrung, die quer durch seinen Garten geht. Aus seinem Fenster hätte er einen freien Blick auf die Arbeiten.
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In seinem Garten darf Rudolf Mende sitzen, seine Wohnung hingegen ist für ihn erst mal Sperrzone. Grund: Zehn Tonnen explosiver Kampfmittel liegen im Boden eines Privatgrundstücks in Freimann.

Rudolf Mende sitzt auf seinem Gartenstuhl und blickt auf das bunte Treiben. Was auf dem ersten Blick nach Frühlingsromantik aussieht, ist für ihn tatsächlich ein großes Ärgernis: Der 68-Jährige gehört zu jenen Anwohnern, die ihre Wohnung in den kommenden zwei Monaten aufgrund des riesigen Sprengstoff-Beseitigung im Zwergackerweg an Werktagen zwischen acht und 16 Uhr nicht betreten dürfen. In einem Teil seines Gartens darf er dagegen sein.

„Zuerst hieß es, ich dürfte auch meine Wohnung nutzen. Dann kam ein Brandmeister, der sich die Hauswand anschaute – jetzt darf ich es nicht mehr“, erzählt Mende. Dass der Garten mehr Schutz bietet als eine Mauer – man könnte darüber lachen. Doch das Lachen ist ihm vergangen. „Heute ist alles noch ganz lustig. Die Sonne scheint. Ein paar Journalisten kommen vorbei. Aber was passiert morgen und übermorgen? Wenn man nicht in die eigene Wohnung darf, wird einem überhaupt erst klar, wie lang so ein Tag sein kann“, sagt er.

Zehn Tonnen Kampfmittel müssen im Zwergackerweg auf dem Grundstück von Melitta Meinberger (72) entschärft und abtransportiert werden: Granaten, Minen, Munition jeden Kalibers. Eine unglaubliche Menge. „Da müsste man schon länger nachforschen, um einen ähnlich großen Fall in Bayern zu finden“, erklärt Oliver Platzer als Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Hier ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst angesiedelt, der im Jahr 2015 mehr als 100 Bombenblindgänger entschärfte und mehr als 60 Tonnen Weltkriegsmunition beseitigte. Dabei fielen rund 800 000 Euro Kosten an. Was die Dimension des Fundes in Freimann unterstreicht. Ein einziger Einsatz schlägt mit einem Sechstel der Menge und einem Viertel der Kosten eines ganzen Jahres zu Buche.

Während die Arbeiten gerade erst begonnen haben, ist die politische Diskussion bereits voll im Gange. Ob Melitta Meinberger tatsächlich wie vom Gesetz vorgesehen auf den Kosten sitzen bleiben wird, ist vollkommen offen (Info unten). Oliver Platzer verwahrt sich allerdings gegen Aussagen aus dem Kreisverwaltungsreferat, dass es bereits einen Sozialfonds für Härtefälle beim Freistaat geben würde. „Wir machen solche Kampfmittelbeseitigungen seit 1945 – und einen solchen Sozialfonds gibt es einfach nicht. Es handelt sich hier um einen Härtefall, und die Diskussion über eine Kostenübernahme kann man sicher führen. Aber die Stadt kann nicht einfach auf uns verweisen“, erklärt er.

40 Arbeitstage sind für die Beseitigung der Kampfmittel vorgesehen. Die politische Diskussion um die mögliche Übernahme der Kosten könnte noch deutlich länger dauern.

Marco Heinrich

Antrag: Freistaat soll Kosten tragen
Dem Gesetz nach müssen die Eigentümer des Grundstücks als „Zustandsstörer“ die Kosten der Entschärfung tragen. 200 000 Euro sollen das werden. Ob es so weit kommt, ist eine Frage der Politik. Die CSU-Fraktion des Stadtrates hat bereits einen Antrag eingebracht, wonach Bund und Freistaat die Kosten „als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches und damit auch der Wehrmacht“ übernehmen sollen.

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