Frauen-Power im Doppelpack

Dass die Schwestern auch am Ball allerhand drauf haben, demonstriert Sylvie eindrucksvoll. Fotos: Gehre/kn

Fußball ist ihr Leben, der FC Bayern ihr Verein. Ein Besuch bei den Banecki-Zwillingen

München Weiße Schränke, weiße Wände, weiße Türen: Ein bisschen fühlt man sich wie in einer Arztpraxis wenn man durch die Tür im zweiten Stock direkt an der Landshuter Allee kommt. Einen Doktor oder eine Sprechstundenhilfe sucht man allerdings vergeblich. Stattdessen empfangen zwei gut gelaunte, hübsche, junge Frauen ihren Besuch. „Wollt ihr was trinken? Klar wollt ihr was trinken.“ Und schon steht die Capri-Sonne auf dem Tisch. In einer WG ist man schließlich stets auf Gäste eingestellt. Doch in der Zwei-Zimmer-Wohnung im Schatten der gewaltigen St. Theresia-Kirche residiert nicht irgendeine Wald- und Wiesen-Wohngemeinschaft. Denn Sylvie und Nicole Banecki sind nicht nur Zwillinge. Die beiden sind auch Fußball-Profis und ihr Verein ist kein geringerer als der FC Bayern. Willkommen in der Bayern-WG. Seit fünf Jahren leben die beiden Berlinerinnen kamerunischer Abstammung nun schon in der Isar-Metropole. „Am Anfang war die Umstellung schon schwierig“, sagt Sylvie. Doch wenn der FC Bayern ruft, wer kann da schon widerstehen? Dass es überhaupt so weit gekommen ist, haben die quirligen Schwestern ihrem Bruder Francis zu verdanken, der schon bei Werder Bremen in der Champions League um Punkte gekämpft hat. „Er hat uns immer auf den Fußballplatz mitgenommen.“ Dabei haben die Zwillinge früh gelernt, auf was es im Fußball ankommt. „Schnelligkeit, Dynamik, Kraft: Das lernt man bei den Jungs am besten“, meint Sylvie heute. Doch was ist ihr Geheimnis. Warum schaffen ausgerechnete zwei Schwestern, was tausenden anderen jungen Frauen verwehrt bleibt? „Wir haben immer alles gemeinsam gemacht“, sagt Sylvie. Gleiche Trainer, gleiche Vereine, gleiche Gegner. Und die beiden leben seit sie denken können unter einem Dach. „Wir kennen das nicht anders“, sagt Nicole. Klar, Streit gibt es auch in der Bayern-WG ab und zu. Doch bisher haben sich die Schwestern immer wieder zusammengerauft. Schließlich teilen die Fußball-Profis ein „Schicksal“. Denn wer denkt, das dynamische Duo führt ein Leben in Saus und Braus mit kolossalen Karossen und Nächten im P1, der irrt. Um sieben scheppert der Wecker, um acht geht es in die Arbeit. Jeden Tag. Denn vom Fußball allein können auch die Bayern-Ladies nicht leben. Gut, so lang wie Normalsterbliche müssen die beiden nicht buckeln. Dafür steht nach Dienstschluss Training auf dem Plan. „Essen, Arbeit und Training füllen den ganzen Tag aus“, sagt Sylvie. Für Kino, Parties oder Clubs bleibt da kaum Zeit. „Wenn man Freunden immer wieder absagen muss, ist das schon traurig.“ Ein bisschen traurig sind die zwei auch, dass sie bei der Frauen-Fußball-WM nur Zuschauer sind. Denn beide haben schon das Trikot mit dem Bundesadler getragen. Die Riesen-Sause lassen sie sich aber trotzdem nicht entgehen. Und allein werden sie dabei auch nicht sein. Denn egal ob bei den Bayern, in der Nationalelf oder beim Public Viewing: „Uns gibt es nur im Doppelpack.“ Tobias Gehre

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