Feldmochinger Kurve

Die DB stellt auf Durchzug

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Nur wenige Meter trennen Haus und Gleis (u.) – ohne Lärmschutz. Die Anwohner befürchten mehr Züge, sollte die Bahntrasse der Feldmochinger Kurve geöffnet werden.

LERCHENAU Lerchenauer verärgert über Güterzüge durch ihr Wohngebiet: Droht bald noch mehr Verkehr?

Der Lärm raubt ihnen den Schlaf. Der Grund: Güterzüge. Im Jahr 1922 – so schätzt Stefanie Bartle (40, Foto links) – fuhr auf dem Gleis in ihrer direkten Nachbarschaft der erste Zug, parallel zur Berberitzenstraße durch eine Wohnsiedlung in der Lerchenau. Auch im Jahr 2015 läuft die Trasse der Deutschen Bahn (DB) noch dort entlang, nur wenige Meter an den Wohnhäusern vorbei. Der Unterschied: „Aus acht Zügen am Tag sind zu Stoßzeiten fast acht Züge in der Stunde geworden“, beklagt Anwohnerin Ilka Federkiel (42, Foto rechts). Die sind allein schon sehr laut. Jetzt befürchten die Anwohner noch mehr Krach – wenn die Gleise der Feldmochinger Kurve geöffnet werden. Denn das plant die Deutsche Bahn, um den Verkehr zu optimieren. Die Bewohner wollen nicht tatenlos bleiben.

Das Problem sind nicht die Schienen selbst: „Ich verstehe, dass mehr Verkehr von der Straße auf die Gleise soll beziehungsweise muss“, sagt Federkiel. „Aber es muss doch verträglich für die Anwohner sein!“ Schon jetzt sind die lauten Güterzüge deutlich zu vernehmen, und das nicht nur in den Abend- und Nachtstunden. „Es gibt keinerlei Schallschutz in unsere Richtung“, betont Federkiel. „Nur eine kurze Lärmschutzwand auf der anderen Seite. Doch die macht es nur schlimmer, weil von dort der Lärm zurückhallt.“ Warum es keinen durchgängigen Schallschutz gibt, können die beiden zwar nicht verstehen, sie wissen aber, dass die Deutsche Bahn zu dem nicht verpflichtet ist. „Auf einen Schallschutz an bestehenden Bahnstrecken gibt es keinen Rechtsanspruch“, erklärt ein Bahnsprecher. Das Zauberwort: Bestandschutz. Ist eine Strecke einmal genehmigt und in Benutzung, braucht die DB dafür in der Zukunft keinen Lärmschutz nachzurüsten. „Und dann dürfen sie drüberfahren lassen, was sie wollen“, gibt Federkiel zu bedenken.

Und das hat die DB bereits in Anspruch genommen: Von Juni bis Mitte Juli fuhren wegen einer Baustelle auch S-Bahnen und Regionalzüge durch die Lerchenau. Es gab im Vorfeld keinerlei Informationen, doch die zusätzlichen Züge waren nicht zu überhören. „Wenn das ein Vorgeschmack auf das war, was da noch kommen kann, droht uns eine Katastrophe“, klagt Bartle. Diese Angst will die DB relativieren: „Die Wiederinbetriebnahme der Feldmochinger Kurve führt nicht zu einer Zugmehrung, sondern nur zu einer Verlagerung und Beschleunigung“, sagt ein Sprecher. Für das Unternehmen ist die Reaktivierung der Feldmochinger Kurve nur ein kleiner Teil einer großen Modernisierungsaktion. Ein neues elektronisches Stellwerk (ESTW) soll in Milbertshofen entstehen. „Damit läuft der Verkehr schneller und direkter ab – ohne Rangierbahnhof“, heißt es vom DB-Sprecher. Der entsprechende Bauantrag soll im letzten Quartal des Jahres gestellt werden. Dann liegt die Entscheidung allein bei der Stadt.

Doch egal, wie die entscheidet, die Anwohner wollen nicht untätig bleiben: „Als nächstes wollen wir auf Bundestagsabgeordnete zugehen“, sagt Bartle. „Denn es muss grundsätzlich etwas am Bestandschutz geändert werden. Wir sind in Deutschland nicht die einzigen, die unter deutlich gestiegenem Verkehr auf Bestandsstrecken leiden. Es gibt ganze Foren zum Thema Zuglärm.“ Und den wird es in der Lerchenau wohl noch weitere 90 Jahre geben, wenn die Deutsche Bahn nicht zumindest beim Lärmschutz einlenkt. Maren Dopp 

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