Zehentbauer-Haus

Angst um das Gesicht der Lerchenau

LERCHENAU Das Haus des Künstlers Otto Zehentbauer ist verkauft: Die Zukunft des Gebäudes ist völlig offen...

Pflanzen ranken sich an dem alten Gemäuer empor, wie grüne Hände, die das Haus noch eilig vor fremden Blicken verbergen wollten. Ohne Erfolg. Das Zehentbauer- Haus in der Lerchenau ist verkauft, neuer Besitzer ist die Stiftung der Raiffeisenbank Schleißheim. Die Zukunft des Wohnhauses und des Ateliers des Künstlers Otto Zehentbauer ist ungewiss. Der Bürgerverein um die Vorsitzende Karola Kennerknecht hat Angst vor dem Abriss.

Das Gebäude hat der Künstler 1912 errichten lassen. Es war eines der ersten überhaupt, ganze zwölf Gebäude bildeten damals die Siedlung. Das Anwesen beherbergt ein Atelier, in dem sich heute noch zahlreiche Arbeitsutensilien des Künstlers befinden, Gussformen etwa.

Otto Zehentbauer (* 27. August 1880 in Landshut; † 20. August 1961 in München) war ein deutscher Bildhauer, erfolgreich mit Krippendarstellungen. Er arbeitete in seinem Atelier in der Lerchenau unter anderem für Klöster und Kirchen, seine Werke stehen in Aachen, Bayreuth, Freising oder etwa in Nürnberg. Die Maria der Weihnachtskrippe des Münchner Doms wird auf einer Weihnachtsbriefmarke der Deutschen Post gezeigt.

Das Haus ist prägend für das Ortsbild. „Wenn es heißt, wirmüssen die Lerchenau bebildern, etwa für eine Broschüre, dann fällt die Wahl entweder auf die Kirche oder das Zehentbauer- Haus“, sagt Kennerknecht. Der Bürgerverein hätte das Atelier gerne als eine Art Museum genutzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dass nun alles verkauft wurde, war für die Lerchenauer ein Schock. „Wir haben davon erst erfahren, als alles schon vorbei war“, sagt Kennerknecht. Der Bürgerverein hätte sogar einen Käufer an der Hand, der das Gebäude liebend gerne übernommen hätte. Allerdings war dem Bürgerverein nicht bewusst, dass das Haus veräußert werden soll. Denn ein Testament hatte einen solchen Verkauf für die nächsten fünf Jahre untersagt. Allerdings ist das Schriftstück aufgrund formaler Fehler nicht bindend. Dass der Erbe das Haus an die Stiftung verkauft hat, ist demnach nicht weniger als sein gutes Recht. Dennoch: „Für die Lerchenau wäre es ein sehr großer Verlust, wenn dieses – nicht nur geschichtlich – bedeutsame Haus der Abrissbirne zum Opfer fallen würde“, sagt Kennerknecht.

Otto Zehentbauer starb 1961 im Alter von 80 Jahren. Sein Haus bewohnten weiterhin seine Tochter mit ihrem Mann Gerhard Schramm. Das Paar blieb kinderlos. Es ließ das Atelier unverändert, auch nach dem Tod der Tochter. Im Atelier befanden sich neben einigen holzgeschnitzten Figuren auch circa 200 Modelle von Krippen- und Heiligenfiguren aus Gips und Ton, nach denen Zehentbauer gearbeitet hat. Gerhard Schramm verstarb im November 2013 im Alter von 94 Jahren.

Erbe des Anwesens ist der Neffe. Großzügig überließ er nahezu den gesamten Nachlass Zehentbauers dem Bürgerverein Lerchenau. „Gerhard Schramm wollte die Figuren immer im Besitz des Bürgervereins, der Schnitz- und Krippenfreunde Olching und des Kulturhistorischen Vereins Feldmoching auf dem Gfild wissen“, sagt Kennerknecht. Die Vereine werden sich Gedanken um einen Verbleib der Modelle machen.

Was genau die Stiftung nun mit dem Gebäude vor hat, ist völlig offen, zumal auch ein Stockwerk vermietet ist und derzeit als Wohnung genutzt wird. Dem Vernehmen nach gibt es bei der Raiffeisenbank noch keine Pläne. Entsprechende Presseanfragen wurden allerdings nicht beantwortet. ska

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mord an Frau in Hochhaus – Der Täter stellte sich der Polizei und gestand
Mord an Frau in Hochhaus – Der Täter stellte sich der Polizei und gestand
Lauthals schreiender Münchner randaliert – Zwei Beamte und ein Zivilist verletzt
Lauthals schreiender Münchner randaliert – Zwei Beamte und ein Zivilist verletzt
Wegen Sanierung – Schule zieht temporär nach Moosach
Wegen Sanierung – Schule zieht temporär nach Moosach
100-Mitarbeiter-Firma aus München entwickelt Solar-Fahrzeug – doch nun geht das Geld aus
100-Mitarbeiter-Firma aus München entwickelt Solar-Fahrzeug – doch nun geht das Geld aus

Kommentare