Der Neubau kostet die Mittelschüler ihre warme Trainingsstätte

Schulsport zwischen Frust und Frost

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In dicken Parkas stehen Ümit Arik (18) und Lea Hübschmann (17) an der Bezirkssportanlage Harthof. Sie und ihre Mitschüler müssen in der Kälte Sport machen.

Harthof – Schnee fällt auf die Tartanbahn, die Turnschuhe rutschen auf dem Eis: Weil die Halle wegen des Schulneubaus abgerissen wurde, findet der Sportunterricht an der Bernaysschule draußen statt

Frierend, die Hände tief in ihren Trainingsjacken vergraben: So stehen die rund 60 Schüler der Bernays-Mittelschule bibbernd auf dem Sportplatz. Denn trotz der Kälte haben die Schüler der 10. Klasse keine warme Turnhalle für Leichtathletik oder Völkerball, sondern müssen jeden Montag von 8 bis 10 Uhr draußen Sport machen.

„Es ist einfach viel zu kalt hier im Freien“, beschwert sich Lea Hübschmann. Diese Woche ist der Sportunterricht ausgefallen, aber nur, weil die Lehrerin krank ist. „Nächste Woche müssen wir wieder ran.“ Die 17-Jährige ist eine der Schülerinnen, die schon seit Mitte September bei jedem Wetter draußen über die Anlage laufen muss.

„Bei milden Temperaturen war das noch irgendwie vertretbar“, sagt Hübschmann. Doch jetzt, wo Schnee auf der Tartanbahn liegt, sorgen sich Eltern wegen erhöhter Unfallgefahr, Erkältungen und dass aufgrund von unregelmäßigem Unterricht auf Dauer keine Noten erbracht werden können.

Die Ursache des eiskalten Übels ist ausgerechnet ein Umbau der Schule: Weil der Komplex aus den 1960er-Jahren marode und veraltet ist, soll ein Neubau die zugigen Waschbeton-Bauten in der Bernaysstraße 35 ersetzen. Geplant ist, an der Stelle, an der sich vorher die Grundschul-Pavillons und die Sportanlagen befanden, einen viergeschossigen, kompakten Komplex mit einem vierzügigen Grundschulbereich im Norden und einem fünfzügigen Mittelschulkomplex im Süden zu errichten (Hallo berichtete).

Doch erst 2023 können die Schüler laut Referat für Bildung und Sport (RBS) in die neuen Gebäude umziehen. „Und was sollen wir bis dahin machen?“, fragt Schüler Ümit Arik. „Frostbeulen in Kauf nehmen?“

„Natürlich ist die Situation für alle absolut untragbar und wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung des Problems“, sagt Schul­direktorin Marion Lein-Egger. Sie konnte bereits für einige der betroffenen Klassen Ausweichorte wie Schwimmhallen oder Turnhalle in der Nähe organisieren.

Das Referat für Bildung und Sport plant, die Leichtbauhallen an der Neuherbergstraße 24 zu nutzen – doch auch hier müssen erst Vorbereitungen für solche Klassenstärken getroffen werden. „In den Hallen muss der Boden ertüchtigt, einige Trennwände entfernt, die Beleuchtung angepasst und der entsprechende Schallschutz angebracht werden – das RBS ist darum bemüht, die Hallen so rasch wie möglich zur Verfügung zu stellen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Doch wie lange das dauern wird, weiß keiner – erst Recht nicht direkt Betroffene wie Lea Hübschmann und ihre Mitschüler. Sie muss sich wie der Großteil ihrer Mitschüler erst einmal weiter in der Kälte durchbeißen und darauf hoffen, dass sich die verfahrene Situation mit dem Outdoorsport bald regeln lässt. Und bis dahin? „Werde ich wohl eine extra Mütze einpacken.“

Julia Langhof

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