Unzumutbare Situation wegen Güterzügen

Schlaflos am Bahngleis

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Wenige Meter von den Häusern entfernt verläuft ein Gütergleis. Monika Barzen und weitere Anlieger beklagen sich über Lärm.

Lerchenau - Es quietscht, pfeift und das auch mitten in der Nacht: Die Bewohner des Münchner Nordens halten den Güterzuglärm nicht mehr aus 

Monika Barzen ist am Belastungslimit angekommen: Bis zu 26 Züge fahren an ihrem Haus vorbei.

Weniger als 40 Meter trennen das Haus von Monika Barzen vom Gütergleis 5566. Wenn ein Zug vorbeirauscht wird es laut: „In meinem Badezimmer habe ich bis zu 100 Dezibel gemessen“, sagt sie. Gemeinsam mit Mitstreitern vom „Aktionskreis contra Bahnlärm München Nord“ setzte sie sich bei der Bürgerversammlung für Feldmoching-Hasenbergl für einen besseren Lärmschutz ein. Die Bürger brachten eine ganze Reihe von Anträgen vor. Sie forderten unter anderem eine bessere Dämpfung von Schienen, niedrige Schallschutzwände und die Einstufung der Siedlung als reines Wohngebiet, da dort andere Lärmschutzrichtlinien gelten. Zudem soll die Stadt überprüfen, inwiefern es sich auf die Betriebsgenehmigung auswirkt, dass der Standort des Gleises im Dritten Reich ohne Genehmigung verlegt wurde. 

Die Anwohner befürchten, dass die Lärmbelästigung weiter steigen wird. „Als ich 1993 her gezogen bin waren es zwischen fünf und zehn Züge pro Tag“, erklärt Barzen. Inzwischen seien es laut Messungen des Aktionskreises im Schnitt 26 Züge. „Nachts fährt durchschnittlich jetzt jede Stunde ein Zug“, sagt Stefanie Bartle, ebenfalls vom Aktionskreis. „Prognosen zufolge könnten es bis zum Jahr 2025 48 Züge pro Tag werden“, sagt sie Bartle. 

Weil es übers Telefon nicht mehr funktioniert, greifen die Anwohner des Münchner Nordens zu anderen Mitteln.

Die Deutsche Bahn erklärt auf Hallo-Nachfrage, dass die Zahl der Züge stark von der Konjunktur sowie der Jahreszeit abhängt. Konkrete Zahlen könne man nicht nennen. „Das Gleis steht allen Güterverkehrsunternehmen zur Verfügung, die darauf fahren wollen“, sagt ein Bahnsprecher. Leise Züge würden weniger für die Nutzung bezahlen müssen als laute. Viele Güterwaggons der Bahn seien bereits mit leisen Bremsen ausgestattet, so der Sprecher. In nächster Zeit stehen bei dem Gleis außerdem weitreichende Veränderungen an: Es soll über die sogenannten Feldmochinger Kurve direkt an den Nordring angebunden werden. „Eine Zunahme der Güterzüge ist dadurch nicht zu erwarten“, beruhigt der Bahnsprecher die Anwohner.cla

Das auch noch: Verkehrsprobleme und Gasheizkraftwerk

- Vor allem Verkehrsprobleme bewegten die Bürger bei der Bürgerversammlung für Feldmoching-Hasenbergl. Thomas Rakovsky lebt in der Kristallstraße in Ludwigsfeld. „Der Durchgangsverkehr ist für die Bewohner eine riesige Belastung“, beklagte er und forderte eine Sperrung für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen und einen schnellen Ausbau der Karls- felder Straße. Hier läuft jedoch noch ein Klageverfahren, wie ein Vertreter der Stadt bekannt gab. Ein Dauerbrenner ist auch der Bahnübergang an der Fasanerie. Die Anwohner forderten erneut eine Unterführung und setzten der Stadt ein Ultimatum: Bis Ende Oktober solle der Stadtrat die Planung und Finanzierung beschließen. Außerdem wünschten sich viele Bürger an mehreren Straßen Dialogdisplays zur Geschwindigkeitsüberwachung und eine Eindämmung des Pendler-Schleichverkehrs durch Wohngebiete. Einen Schritt weiter ging Dirk Höpner vom „Übergreifendem Bündnis Nord“: „Bis zur Vorlage eines Verkehrskonzeptes sind weitere Planungen im Wohnungsbau einzustellen.“

Die Bürger haben sich außerdem gegen ein Gasheizkraftwerk an der Raheinstraße/Ecke Dülferstraße ausgesprochen. Die Stadtwerke suchen nach Alternativen, wenn das Kohlekraftwerk Münchner Nord abgeschaltet wird.

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