Die Bahn ist kein Rasenmäher

Neue Hoffnung für Anwohner der Lerchenau gegen Bahnlärm

Stefanie Bartle vor dem oft befahrenen Gleis. 1999 wäre es hier durch kaputte Schienen fast zu einer Katastrophe gekommen
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Stefanie Bartle vor dem oft befahrenen Gleis. 1999 wäre es hier durch kaputte Schienen fast zu einer Katastrophe gekommen

Lerchenau: Eine unendliche Geschichte über Bahnlärm in der Lerchenau: Jetzt gibt es Hoffnung für Anwohner.

Die Sonne scheint, zwei Frauen schieben ihre Kinderwagen durch den Park, der See ist nur ein paar Schritte entfernt. „Es ist die reinste Idylle hier“, sagt Stefanie Bartle, die seit 2010 in der Lerchenau wohnt. Doch zu oft wacht sie unsanft aus der Idylle auf – im wahrsten Sinne des Wortes.

„Manchmal fahren nachts in einer Stunde sechs Züge vorbei. Dieser Lärm kostet hier alle Anwohnern Schlaf“, erzählt sie. Ein Nachbar führte vor kurzem eine Messung durch. Das Ergebnis bei der Durchfahrt eines Zuges: 110 Dezibel, direkt am Schlafzimmer. Zum Vergleich: Ein Rasenmäher verursacht rund 60 Dezibel. Und selbst ein Formel-1-Wagen sorgt in 30 Metern Entfernung für weniger Lärm (105 Dezibel). In der Lerchenau ist das Gleis von einigen Schlafzimmern sogar nur sieben Metern entfernt.

Um auf das Problem nochmals aufmerksam zu machen, veranstaltete der eigens gegründete Verein „Aktionskreis contra Bahnlärm München Nord“ jetzt eine eigene Verkehrszählung: Am Montag, 19. Juni, fuhren insgesamt 24 Züge durch die Lerchenau, 40 Prozent davon verursachten mehr als 80 Dezibel Lärm.

Wirklich Angst haben die Anwohner aber vor allem vor dem, was die Zukunft bringt. „Die Bahn prognostiziert 48 Züge am Tag. Und es können auch noch mehr werden“, erzählt Bartle: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Schiene. Aber wir verstehen nicht, warum jeder Bürger abends den Rasen nicht mehr mähen darf, aber die Bahn auch nachts ungebremst fahren kann.“

Ein Geschwindigkeitslimit von 30 Stundenkilometern würde bereits ein Viertel weniger Lärm bedeuten. Doch bislang brachten die Gespräche mit der Bahn keinen Erfolg. Das könnte sich allerdings bald ändern. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt schrieb in einem Brief, dass die Lerchenau Teil des „freiwilligen Lärmsanierungsprogramms der Bundesregierung“ sei. In günstigen Fällen bewirken Schallschutzwände oder -wälle Pegelminderungen zwischen 10 und 15 Dezibel, heißt es aus dem Bundesministerium. 

Doch nicht nur der Lärm ist Thema in der Lerchenau, auch die Beförderung gefährlicher Güter. Anwohnerin Monika Barzen dokumentierte 1999, wie sie zufällig kaputte Schienen vor der eigenen Haustür entdeckte (kl. Bild). Binnen 24 Stunden wurde die Strecke gesperrt und der Schaden behoben. Ein Zugunglück wurde knapp abgewendet. Was heute transportiert wird, verrät die Bahn nicht. „Das unterliegt dem Datenschutz. Die Schiene gilt als sicherstes Verkehrsmittel. Daher darf grundsätzlich alles transportiert werden“, erklärt Sprecher Bernd Honerkamp. Der Aktionskreises zählte 37 Prozent aller Züge als Gefahrentransporte.

M. Heinrich

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