Streit um ne ganze Menge Wasser

Nasse Keller am Sammelkanal

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Martin Obersojer hat eine eigene Messstelle installiert, um den Grundwasseraufstau zu überprüfen.

Feldmoching - Das Grundwasser drückt sich nach Sanierungen immer weiter nach oben: Jetzt verklagen Anwohner die Stadt

Ein Kanal, der nicht richtig funktioniert, Grundwasser, das nach oben drückt: Der Nordwest-Sammelkanal in Feldmoching sorgt seit Jahren für Probleme. „Seit 1999 haben wir nasse Keller“, sagt Martin Obersojer. Er ist Bezirksausschuss-Mitglied und Landwirt in dem Gebiet, wo der Kanal verläuft. Momentan stellt zwar eine provisorische Pumpanlage sicher, dass bei Starkregen kein Wasser mehr in die Häuser dringt. Die Angst vor überfluteten Kellern aber bleibt: „Das ganze Gebäude wird dadurch vernichtet“, sagt Obersojer.

Eigentlich sollte das Wasser von Norden nach Süden fließen. Stattdessen staut es sich auf. Seit langem versucht die Stadt die Probleme mit Sanierungen in den Griff zu bekommen. „Wirklich was gebracht hat bisher nichts“, beklagt sich Erwin Gierszewski, ein weiterer Anwohner.

Bei der ersten Reparatur wurde falsches Material verwendet

Als erste Maßnahme hat die Münchner Stadtentwässerung (MSE) auf einem Teilstück Aufbeton entfernen lassen, damit das Wasser über den Kanal strömen kann. Außerdem wurde Kies aufgeschüttet und mit einem Stoff bedeckt. Doch: „Dabei wurde ungeeignetes Material verwendet“, so Obersojer. Die Folge: „Das Wasser kann wieder nicht richtig fließen.“ Das RGU betont jedoch, das der Stoff geeignet für eine Überströmung sei.

Die Anwohner dagegen sehen eine weitere Schwierigkeit: „Der Boden ist von Bauschutt und illegalen Ablagerungen verdichtet“, sagt Obersojer. Dieses Problem sei beim Bau entstanden: „Ich habe gesehen, wie die Bauarbeiter Beton in der Baugrube entsorgt haben“, erklärt Gierszewski.

Laut Stadt soll im Mai alles fertig sein

Auch der Bau von drei neuen Dükern – also drei Leitungen für den Wasserablauf – zwischen Eishüttenweg und Feldmochinger Straße hätte deshalb nicht den erhofften Effekt gebracht. Die Stadt erklärt dazu, dass es laut ihren Messungen durch die neuen Düker nur noch einen zulässigen Aufstau von zehn Zentimetern gäbe. Die Untersuchungen entsprechen den „anerkannten technischen Regeln“, so MSE-Sprecher Matthias Wünsch. Betroffene Anwohner beklagen jedoch eine falsche Positionierung der Messstellen. Obersojer hat eine eigene Stelle errichtet: „Bis zu 1,50 Meter ist der Aufstau dort“, sagt er.

Seit 2016 läuft bei dem Kanal eine weitere Sanierung, bei der Drainagen zur Wasserableitung ertüchtigt werden. Bei den Arbeiten kam es laut MSE-Sprecher Wünsch wegen der Witterungsverhältnisse zu Verzögerungen. Im Mai soll jetzt aber alles fertig sein.

Unabhängig vom Erfolg der Maßnahme bleibt der Kanal ein Streitthema. Mehrere Anwohner haben eine Klage gegen die Stadt erhoben. Sie fordern eine Entschädigung für die Beschädigung, die das Grundwasser an ihren Häusern verursacht hat. Wegen des laufenden Verfahrens wollte sich die Stadt dazu nicht äußern.liv, cla

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