Sieg für die Bauern

Nach massiven Protesten: Stadt kippt SEM

+
Die Initiative „Heimatboden“ kämpft seit 2017 gegen die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme.

Feldmoching - Ist ein Ende des Streits um die Fläche im Münchner Norden in Sicht? Die Stadt erteilt eine Absage für die SEM und gibt Entwarnung vor befürchteten Enteignungen - Wie es jetzt weitergeht

Paukenschlag in der Lokalpolitik: die große Regierungskoalition aus CSU und SPD hat beschlossen, die umstrittenen Pläne der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, genannt SEM, für Feldmoching fallen zu lassen. „Es wird keine Enteignungen geben. Ab sofort heißt es KOSMO“, teilte Oberbügermeister Dieter Reiter mit.

Für die Initiative „Heimatboden“ ist die Entscheidung der Stadt ein großer Erfolg.

,Kooperatives Stadtentwicklungsmodell für Feldmoching-Ludwigsfeld' nennt sich das neue Konzept für die zukünftige städtebauliche Entwicklung im Münchner Norden. Anwohner und rund 200 Landwirte hatten sich seit 2017 mit der Initiative „Heimatboden“ gegen das SEM zur Wehr gesetzt (Hallo berichtete). Weil zwischen Fasanerie und A99 ein Neubaugebiet entstehen soll, hatte die Stadt die Bodenpreise zuletzt eingefroren. Die SEM hätte es der Stadt erlaubt, Grundstücke notfalls auch durch Enteignung aufzukaufen. Das ist nun vom Tisch. Die Grundstücke haben wieder den reellen Marktwert und können bei Bedarf auch wieder entsprechend beliehen werden. „Wir haben ihre Ängste und Sorgen verstanden“, betont Reiter.

Für die Initiative „Heimatboden“ ein großer Erfolg. „Wir freuen uns, dass die Stadtspitze ihre Sichtweise geändert hat. Wir sind für alle Kooperationen und Gespräche offen“, betont Martin Zech junior von der Initiative. Kooperation heißt sowieso das neue Zauberwort, wie auch Münchens zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) betont. Er spricht von Tauschgeschäften und Umlegungsverfahren, privaten Bau-Gesellschaften und eigenen Bauvorschlägen der Eigentümer. „Wir nehmen die Eigentümer bei der Planung mit. Auf die Landwirte wird Rücksicht genommen. Das ganzheitliche Konzept beinhaltet auch verkehrliche Fragen.“

Wie eng das 900-Hektar-Areal bebaut werden soll? Zahlen nennt niemand. Aber Stadtbaurätin Beate Merk bringt das Beispiel Bayernkaserne: „Auf 60 Hektar kommen 5500 Wohnungen.“ Stadtrat Alexander Reissl (SPD) sieht für Feldmoching „eine gesunde städtische Mischung. Kein Hochhaus neben das andere. Mit Durchgrünung und Erholungsflächen.“

Nächste Woche soll KOSMO offiziell im Stadtrat beschlossen werden. Der erste Spatenstich in Feldmoching-Ludwigsfeld wird aber frühestens 2029 erwartet. Marie-Julie Hlawica

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare