Das Bomben-Biotop

In dieser Idylle lauern Kampfmittel

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Isolierte Artenvielfalt im Norden: Heinz Sedlmeier vom LBV zeigt Hallo das Virginia Depot.

Lerchenau – Ein Biotop mit seltener Artenvielfalt in der Nordheide: Doch Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich vehement gegen einen Ankauf des Virginia-Depots ausgesprochen – Das ist der Grund dafür

Der Traum von der Stadtwildnis für Kinder und Jugendliche ist geplatzt: „Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich gegen unser Konzept entschieden“, bedauert Heinz Sedlmeier vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Die Naturschützer hatten Reiter vorgeschlagen, das eingezäunte, ehemals militärisch genutzte Areal westlich der Schleißheimer Straße für Münchner Schüler zugänglich zu machen. „Das ist eine der letzten verbliebenen Naturoasen mit einer einmaligen Artenvielfalt“, so Sedlmaier.

Das Argument Reiters, die Stadt München würde Grundstücke grundsätzlich nur altlasten- und kampfmittelfrei übernehmen, ist für den Biologen nicht ausreichend: „In München wurde fast alles überbaut. Und die Kosten für die Entmunitionierung hängen davon ab, ob man etwas findet, aber ich gehe von wenigen 100 000 Euro aus.“

Mitstreiterin Annette Rinn vom Verein Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BenE) glaubt das „Nein“ habe einen anderen Grund: „Das Thema hat nicht erste Priorität. Es gibt dort eine deutliche Flächenkonkurrenz bezüglich Wohnen und Gewerbe.“

Das über 100 000 Quadratmeter große, ehemalige Militärgelände gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die hält sich mit Aussagen bezüglich der Zukunft bedeckt. „Wir werden vertragliche Verpflichtungen zum naturschutzfachlichen Ausgleich weiterhin erfüllen. Um die ungestörte Entwicklung des Biotops nicht zu gefährden, kann das Gelände in absehbarer Zeit nicht öffentlich zugänglich gemacht werden.“ 2010 vereinbarte die BImA mit der Stadt München, die Biotopfläche auf dem Gelände als Ausgleichsfläche herzurichten und für 20 Jahre zu pflegen.

Bereits seit 2002 bemühen sich verschiedene Initiativen darum, das Gebiet unter Naturschutz stellen zu lassen. „Aber wir wurden von den Behörden, erst von der Stadt, jetzt von der Regierung Oberbayern hingehalten“, kritisiert Sedlmeier.

Aus Sicht der Befürworter hätte vor allem die junge Generation profitieren können: „Wenn sie zukünftig dort lernen könnten, Verantwortung für ihre Umwelt zu übernehmen, wäre das ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft“, betont Karola Kennerknecht vom Bürgerverein Lerchenau. Für Sedlmeier ist das „Nein“ des OB nicht das „Aus“: „Wir haben einen langen Atem, es geht in jedem Fall weiter“, verspricht er.

Manuela Praxl-Langer

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