„Wohnungsbau mit höherer Dichte“

Kritik vor laufender Kamera: Pächter der Eggarten-Kolonie kämpfen um ihr Idyll

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Die Pächter der Eggarten-Kolonie kämpfen um ihr Idyll und gegen die geplante Bebauung.

Lerchenau - Asphaltfreie Staßen, riesige Gartengrundstücke, alte Häuser - Im Eggarten vergisst man, dass man sich mitten in der Stadt befindet - Doch: Die Eigentümer wollen Wohnungen bauen - Hallo hat bei den Betroffenen nachgehakt

Es muss etwas passieren. So weit sind sich beim Eggarten alle einig. Abgesehen von dieser Erkenntnis aber sind die Fronten verhärtet: Während die Gartenpächter und die letzten Hausbewohner um ihr „kleines Paradies“ kämpfen, wollen die Eigentümer dort Wohnungen bauen (Hallo berichtete). Sogar der Bayerische Rundfunk berichtet inzwischen über den Konflikt und hat in der Sendung Capriccio einen Beitrag über den Eggarten verfasst.

Rüdiger Kühnle, Projektleiter des Immobilienunternehmens CA Immo, dem zwei Drittel der Eggarten-Flächen gehören, hat sich der Kritik der Bürger gestellt.

Dabei hat sich Rüdiger Kühnle, Projektleiter des Immobilienunternehmens CA Immo, dem zwei Drittel der Eggarten-Flächen gehören, der Kritik der Bürger gestellt. Dabei machte er eines gleich klar: „Natürlich ändert sich durch die Neubebauung der Charakter des Eggartens.“ Derzeit vergisst man im Eggarten kurz, dass man mitten in der Stadt ist und fühlt sich in eine andere Zeit zurückversetzt: Die Straßen sind unasphaltiert, es gibt riesige Gartengrundstücke, auf manchen stehen alte Häuser, von denen einige wenige noch bewohnt sind. Viele Grundstückspächter pflegen seit Jahrzehnten ihre Gärten mit viel Liebe.

Einige der Parzellen und Häuser verfallen jedoch zusehends und auch bei den Straßen wären Ausbesserungen notwendig. Außerdem beklagen die Pächter Abfall-Probleme: „Wenn die Gärten nicht mehr vermietet werden, kann jeder rein“, beklagt Ingrid Mayerhofer, Sprecherin der Pächter. „Es vermüllt immer mehr. Wir haben den Eindruck, dass das eine Methode ist, um uns los zu werden.“

Wie sieht die Zukunft des Eggartens aus? Während die Gartenpächter und die letzten Hausbewohner um ihr „kleines Paradies“ kämpfen, wollen die Eigentümer dort Wohnungen bauen.

Dem widerspricht die CA Immo. Tatsächlich steht noch nicht fest, wie lange die Pächter der Gärten, die zeitlich befristete Verträge haben, bleiben können. „Wir erstellen gerade ein Strukturkonzept, welche Bebauung möglich ist“, erklärt Kühnle. Dabei soll auch geklärt werden, wie viele Wohnungen entstehen können, im Raum standen einmal 1250. Das Konzept soll im Laufe des Jahres fertig werden, voraussichtlich nächstes Jahr fasst der Stadtrat einen Beschluss.

„Das ist die Grundlage für den städtebaulichen Wettbewerb“, sagt Kühnle. Er betont, dass die Bürger in die Planungen miteinbezogen werden und „wir nicht alles kaputt machen und wegräumen wollen.“ So sei man beispielsweise bemüht, alten Baumbestand zu erhalten und nur rund 30 bis 40 Prozent der Fläche würde für Wohnbebauung genutzt. „Wir wollen nicht nur eine reine Wohnsiedlung schaffen, sondern auch eine soziale und öffentliche Infrastruktur“, verspricht Kühnle. Dazu gehörten zum Beispiel Schulen, Kitas, Nahversorger und öffentliche Plätze und Grünflächen. Auch für Lärmschutz vor dem Bahnlärm wolle man für die künftigen Bewohner sorgen. Ob den derzeitigen Gartenpächtern ein Ersatz angeboten werden kann, steht noch nicht fest: „Das wird alles noch untersucht.“ Neue Parzellen würden aber sicher kleiner sein, als die alten. „Die Bebauung wird auf jeden Fall eine höhere Dichte haben“, erklärt Kühnle. „Es ist ja auch nicht gerecht, dass hier manche 1600 Quadratmeter Garten zur Verfügung haben und andere in München nicht einmal eine kleine Wohnung finden.“ Auch Einzelbebauung wird es deshalb wohl eher nicht geben. „Das wäre eine sehr privilegierte Form des Wohnens für wenige.“

Die Pächter dagegen verweisen auf den besonderen Charme der Siedlung. „Es ist ein Rückzugsort von der Großstadthektik“, sagt Martin Schreck. „Es wäre ein Sündenfall, wenn man das Paradies zerstören würde.“ Er schlägt stattdessen vor, die alten Strukturen bestehen zu lassen und im Eggarten einen Ort für Kunst und Kultur zu schaffen. „Es könnte zum Beispiel eine Lehrstätte entstehen, bei der jeder erleben kann, wie so eine historische Kolonie ausgesehen hat.“

Eine Idee, der die CA Immo aber wiederum skeptisch gegenüber steht. Nur auf eines einigte man sich bei dem Ortstermin vor laufender Kamera: Sobald das Strukturkonzept konkreter ist, soll es einen runden Tisch mit allen Beteiligten geben.

Claudia Schuri

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