Diakonie Hasenbergl

"Wichtig ist, dass es gemacht wird"

HASENBERGL 50 Jahre Diakonie Hasenbergl – Mitgründer Wilhelm Wagner (82) spricht über die Anfänge...

Am Anfang war der Ort: Zwischen 1960 und 1967 entstand im Münchner Norden ein neues Stadtviertel für Flüchtlinge und Aussiedler: das Hasenbergl. 95 Prozent der Häuser waren für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen. Nur 15 Prozent der Einwohner waren Münchner. „Die Not war groß“, erzählt Wilhelm Wagner (82).

Die neuen Bewohner kamen aus Ostpreußen, Schlesien, waren Spätaussiedler aus Südosteuropa oder Flüchtlinge aus der DDR. „Am Anfang wurde im Hasenbergl Sächsisch gesprochen“, erzählt Wagner.

Und die Neu-Münchner waren freilich nicht mit der deutschen Bürokratie vertraut. Haufenweise mussten Formulare ausgefüllt, Leistungen beantragt werden. Und weil die Not groß war, musste Hilfe her. Der evangelische Pfarrer Otto Steiner rief mit sieben Ehrenamtlichen einen sozialen Beratungsdienst ins Leben. Wilhelm Wagner war einer der Mitarbeiter. 1964 wurde aus dem Beratungsdienst ein Verein, der heute unter dem Namen Diakonie Hasenbergl bekannt ist. Und der feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen.

Wilhelm Wagners Vater hat Stalingrad überlebt, landete in der Gefangenschaft. Nach sechseinhalb Jahren in der Zwangsarbeit kehrte er nach Hause zurück. Der gebürtige Nürnberger Wagner war dafür sehr dankbar. „Ich wollte etwas zurückgeben“, sagt der pensionierte Staatsbeamte im Sozialwesen.

Jeden Freitag kamen die Menschen zu ihm zur Beratung. Diese fand anfangs noch im Pfarrhaus, dem Hasenstall, statt. „Es gab drei Wohnungen, eine für den Pfarrer, eine für den Diakon, und die dritte haben wir für die Beratungen genutzt“, sagt der 82-jährige Hasenbergler. Das Gebäude der Diakonie am Stanigplatz, das so genannte Grüß-Gott-Haus, entstand erst 1968.

Es blieb aber längst nicht bei den Beratungen. Der Verein begann nun auch, sich für Behinderte einzusetzen. „Damals war der Umgang noch anders. Die behinderten Kinder verharrten zu Hause, die Eltern haben sich häufig geschämt.“ Die Diakonie gründete verschiedene Einrichtungen wie etwa Kindergärten.

„Das ist alles Herrn Pfarrer Steiner zu verdanken“, sagt Wagner. „Die Arbeit mit Behinderten passierte in München zuerst bei der Diakonie im Hasenbergl. Die AWO und auch die katholische Kirche kamen später.“

Die Zahl der Beratungen wuchs mit den Jahren, ebenso das Angebot. Es wurde facettenreicher. Allein im Jahr 2013 hat die Diakonie mit ihrer Arbeit rund 46 500 Menschen erreicht. Mittlerweile arbeitet die Diakonie natürlich verstärkt auch in den Bereichen Senioren und Jugend. Es gibt rund 350 fest angestellte und 150 ehrenamtliche Mitarbeiter in den heute 45 Einrichtungen. Wagner selbst war 20 Jahre aktiv. Aber: „Auf die Zahlen kommt es nicht an“, sagt der Diakonie-Vater. „Wichtig ist, dass es gemacht wird.“ Sascha Karowski 

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens feiert die Diakonie Hasenbergl ein großes Stadtteilfest am Sonntag, 25. Mai. Von 12 bis 18 Uhr gibt es über 20 kostenlose Spiel-Möglichkeiten für Kinder und deren Familien auf der Wiese am Dülferanger. Ferner wird im Festzelt Bistrobetrieb angeboten.

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