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Epilepsie: 100 Bewerbungen und doch arbeitslos

Ich, einfach unvermittelbar?

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Tabu-Thema Epilepsie: Karima Zagha kämpft trotz Krankheit um eine neue Anstellung.

Feldmoching – Eine freundliche, offene Art, eine fixe Auffassungsgabe und Kenntnisse als ehemalige Filialleitung: doch die Qualifikationen spielen keine Rolle. Denn wegen ihrer Epilepsie-Erkrankung hagelt es Absagen

Wenn Karima Zagha in ihrem Ordner blättert, bilden sich tiefe Sorgenfalten auf dem Gesicht der 46-Jährigen. Denn es ist ein Ordner voller Absagen – für einen einfachen Minijob. Seit 2005 ist die Feldmochingerin nach der Schließung ihrer Drogerie­filiale und der darauf folgenden Frührente mehr oder weniger arbeitslos.

Wegen Behandlungskosten ihrer Epilepsie reicht das Geld der Rente hinten und vorne nicht. „Jede Woche schicke ich einen Stapel Bewerbungen raus, aber entweder ich bekomme nicht einmal eine Rückmeldung oder zwei Tage nach Einsendung sofort eine Absage“, erzählt Karima Zagha. Was kann der Grund sein? „Ich vermute es ist die Epilepsie“, schätzt die sonst immer fröhliche 46-Jährige. „Ich kann gut rechnen, wäre in einem Büro toll aufgehoben, muss und möchte einfach arbeiten“, sagt Zagha. „Doch mit der Diagnose Epilepsie gibt man mir nicht einmal mehr die Chance, mich zu beweisen.“

In Deutschland leiden 500 000 Menschen unter Epilepsie – doch viele vertuschen es

Mit ihrer Pillenbox hat Karima Zagha ihre Krankheit im Griff – doch ohne zusätzliches Einkommen hilft das wenig.

Viele Münchner haben wie Karima Zagha größte Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. „Jeden Tag klagen Erkrankte bei uns über die großen Vorurteile oder die Hemmschwelle, mit denen potenzielle Arbeitgeber auf die Krankheit reagieren“, sagt Karin Kimmerle-Retzer von der Epilepsieberatung München. „Da nimmt man bei Bedenken dann lieber einen Angestellten ,ohne Makel‘ und macht es sich einfach“, sagt Kimmerle­-Retzer. Viele verschweigen deswegen ihre Krankheit in einer Bewerbung. Doch für Karima Zagha kommt Lügen nicht infrage: „Meine Krankheit ist doch schon immer ein Teil von mir. Wegen der Frührente kommt das eh bald raus – da bin ich lieber ehrlich.“ Bis auf weiteres muss also die Rente ausreichen. „Doch mein Kühlschrank bleibt erstmal leer.“

Julia Langhof

Die Krankheit Epilepsie

Epilepsie ist eine Überreizung des Gehirns. Etwa 0,6 Prozent der Deutschen sind betroffen. Zagha hat einen implantierten Vagusnervstimulator, ähnlich einem Herzschrittmacher fürs Gehirn, der starke Impulse unter Kontrolle hält und einen Thalla­musstimulator, der krampflösend auf Nerven wirkt.

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